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INTERNATIONALER TAG DER PRESSEFREIHEIT AM 3. MAI

WAN-Ifra rückt "Journalisten im Exil" ins Bewusstsein

(2010-05-01) Der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) rückt anlässlich des heurigen Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai das Schicksal all jener Journalistinnen und Journalisten ins öffentliche Bewusstsein, die aus ihrem Land fliehen mussten oder müssen, um ihrer Inhaftierung oder der Bedrohung gegen Leib und Leben zu entgehen, nur weil sie ihrer Arbeit nachgegangen sind.
"Ungeachtet der in nationalen und internationalen Konventionen verankerten Rechte sehen sich Journalisten weiterhin häufig in Gefahr, nur weil sie ihrer Arbeit nachgehen und die Wahrheit berichten möchten, in der tiefen Überzeugung, dass die Berichterstattung über das, was sie beobachten, die Grundlage einer stabilen Demokratie ist", betont aus diesem Anlass Virginie Jouan, Executive Director Press Freedom & Development Programmes bei WAN-IFRA.


"Journalisten, die sich Schikanen, Todesdrohungen, Angriffen und Inhaftierungen ausgesetzt sehen, fürchten zu Recht um ihr Leben und sehen sich oft gezwungen, ins Exil zu gehen", so Jouan. "Dadurch wird ihnen oft die Grundlage entzogen, ihren Beruf als Journalist weiter auszuüben, und sie werden regelrecht mundtot gemacht." Der heurige Internationale Tag der Pressefreiheit soll auf die Not dieser Journalistinnen und Journalisten aufmerksam machen.

 

Ehsan Malekis abenteuerliche Flucht aus dem Iran

 

Ein Beispiel dafür ist der iranische Fotojournalist Ehsan Maleki, der nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 am 20. Juni 2009 trotz Verbots Bilder von einer Demonstration in Teheran aufgenommen hat. Er wurde zwar festgenommen, gab sich aber als Ingenieur aus und wurde tags darauf wieder freigelassen. Bevor die Behörden erneut zuschlagen konnten, tauchte er unter und floh am 3. August in den Irak.


"Ich hatte einen Rucksack mit ein paar Kleidungsstücken bei mir, nicht aber meinen Pass und meinen Computer, weil die Regierung sie mitgenommen hatte. Ich kam mit einem Alkoholschmuggler in Kontakt und der half mir, zu Fuß über die iranisch-irakische Grenze zu kommen. Das dauerte 17 Stunden", schildert Maleki, der seit November 2009 in Frankreich im Exil lebt, in einem WAN-Ifra-Interview.


Allerdings: "Die Zukunft", meint er, "sieht einfach zu trist aus. Der Arbeitsmarkt für Fotojournalisten hat sich weltweit verändert. Ich war ein guter Fotograf und wurde durch eine Agentur vertreten. Hier bin ich nur eine Nummer, bis ich eine Aufenthaltsgenehmigung erhalte. Ich darf nicht arbeiten, ich kann überhaupt nichts machen. Ich arbeite nur an meinen alten Storys."


Seine einzige Hoffnung ist, dass sich die politische Situation im Iran ändert. Denn "wenn ich in den Iran zurückginge, würde man mich aufspüren und verhaften. Vielleicht würden sie mich auch wieder freilassen, aber ich würde keine Arbeitsgenehmigung erhalten."


Über die Pressefreiheit könnte er ein Buch schreiben. "Die Menschen, die nicht selbst vor Ort sein können, brauchen Informationen", begründet er seinen furchtlosen Einsatz, "und wir Journalisten haben die Aufgabe, diese Informationen bereitzustellen. Deshalb müssen wir auch die Freiheit haben, über das Geschehen zu berichten. Sonst mangelt es den Menschen an Informationen und sie können nicht beurteilen, was wirklich passiert. Das gilt nicht nur für den Iran, das gilt überall."

 

Interview mit Ehsan Maleki im Volltext 


Mansoor Hassan: "Jemand wollte mich erschießen"

 

Der pakistanische Journalist Mansoor Hassan Hashmi fürchtete bereits um sein Leben. Wegen seiner Untersuchungen über Ehrenmorde, hochgiftige Pestizide, Drogengangs und ungeklärte Morde wurde er zusammengeschlagen, war auch einem Vergiftungsversuch ausgesetzt. Damit nicht genug: Erst versuchte man ihn umzubringen, indem man sein Auto mit voller Wucht mit einem Traktor rammte, und als er sich auch dadurch nicht einschüchtern ließ, versuchte man Mansoor Hassan auf offener Straße zu erschießen: "In dem Moment wurde mir klar, dass ich verschwinden musste." Heute lebt er mit seiner Familie in Großbritannien,


"Ich habe einen sehr hohen Preis für meinen Beruf bezahlt, denn als Asylsuchender durfte ich keiner Arbeit nachgehen", blickt er in einem WAN-Ifra-Interview auf seine erste Zeit im Exil zurück. "Das Leben war nicht einfach. Jetzt habe ich einen dauerhaften Wohnsitz in Großbritannien, darf also wieder arbeiten. Ich helfe anderen Flüchtlingen und Asylsuchenden beim Personensuch- und Benachrichtigungsdienst des Roten Kreuzes, werde es aber schwer haben, wieder Arbeit als Journalist zu finden."

 

Interview mit Mansoor Hassan Hashimi im Volltext 


Ermordet oder eingekerkert – Journalisten als Zielscheibe

 

Seit dem 1. Dezember 2009 wurden weltweit 136 Journalisten inhaftiert, davon allein 24 in China, 23 im Iran und 22 in Kuba – oft unter katastrophalen Haftbedingungen und ohne jede Möglichkeit, mit ihrer Familie oder mit ihrem Anwalt sprechen zu können.

 

Grafik: Journalisten in Haft 2009  


Sie teilen ihr Schicksal mit dem iranischen Journalisten und Politikexperten Ahmad Zeidabadi, der unmittelbar nach der wegen Wahlbetrugs umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 inhaftiert wurde. Wegen seiner Arbeit wurde er von der iranischen Obrigkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt und mit einem lebenslangen Berufsverbot als Journalist belegt.


International bekannt wurde Zeidabadi, der vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien mit der Goldenen Feder der Freiheit 2010 ausgezeichnet wird, bereits durch seinen offenen Brief, den er im Jahr 2000 aus dem Gefängnis schrieb, um gegen die Behandlung der inhaftierten Journalisten durch die Justiz zu protestieren; er warf den Richtern vor, "gegen die Kriterien und Regeln des Korans zu sein und zu verstoßen". Der Brief fand trotz der Versuche der Behörden, die Veröffentlichung zu unterbinden, weite Verbreitung.


Und nicht weniger als 99 Journalisten wurden im Vorjahr ermordet, davon allein 37 auf den Philippinen. Morde an Journalisten werden nur selten bis gar nicht aufgeklärt und bleiben vielfach ungesühnt. In den ersten Monaten 2010 verloren bereits 24 Journalisten in Ausübung ihres Berufes ihr Leben.

 

Grafik: getötete Journalisten 2009  


"Todeszone Irak"

 

Dramatisch auch die Situation in der "Todeszone Irak". Laut Mitteilung des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) wurden seit dem US-Einmarsch mindestens 88 Morde nicht aufgeklärt.


Der 3. Mai – seine Entstehung und seine Bedeutung

 

Mit dem Internationalen Tag der Pressefreiheit wird seit 1994 jährlich am 3. Mai auf Verletzungen der Pressefreiheit sowie auf die grundlegende Bedeutung freier Berichterstattung für die Existenz von Demokratien aufmerksam gemacht. Er wurde von der UNESCO initiiert, auf deren Vorschlag die UN-Generalversammlung am 20. Dezember 1993 den 3. Mai zum Welttag der Pressefreiheit erklärte.


Hintergrund der Entstehung des Tages ist die "Erklärung von Windhuk", welche am 3. Mai 1991 auf einem UNO/UNESCO-Seminar zur Förderung einer unabhängigen und pluralistischen Presse in Winhuk (Namibia) verabschiedet wurde. Zentrale Aussage der Erklärung ist, dass freie, pluralistische und unabhängige Medien ein äußerst wichtiges Merkmal demokratischer Gesellschaften sind. Jede Journalistin, jeder Journalist müsse überall auf der Welt das Recht haben, frei und ohne Angst berichten zu können.


Weitere Informationen zur Pressefreiheit finden Sie unter:


www.wan-press.org/3may/2010/home.php?id=440


portal.unesco.org/ci/en/ev.php-URL_ID=29293&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html


www.ifex.org


www.freemedia.at


www.wpfc.org

 

 



Philippinen, Manila: Nackte Mitglieder einer Studentenverbindung bahnen sich am 15. Dezember 2009 ihren Weg durch eine Massenkundgebung von Studenten auf dem Campus der Universität der Philippinen am Stadtrand von Manila. Sie protestieren gegen das Massaker an Journalisten, das am 23. November in der südlichen Provinz Maguindanao verübt wurde. Rund 100 Bewaffnete, die, wie es hieß, von einem örtlichen Kommunalpolitiker befehligt wurden, hatten Verwandte und Wahlhelfer eines rivalisierenden Politikers und eine Gruppe von Journalisten verschleppt und kaltblütig erschossen. Dreißig der 57 Getöteten waren Journalisten. (Foto: AFP/JAY DIRECTO)
Philippinen, Manila: Nackte Mitglieder einer Studentenverbindung bahnen sich am 15. Dezember 2009 ihren Weg durch eine Massenkundgebung von Studenten auf dem Campus der Universität der Philippinen am Stadtrand von Manila. Sie protestieren gegen das Massaker an Journalisten, das am 23. November in der südlichen Provinz Maguindanao verübt wurde. Rund 100 Bewaffnete, die, wie es hieß, von einem örtlichen Kommunalpolitiker befehligt wurden, hatten Verwandte und Wahlhelfer eines rivalisierenden Politikers und eine Gruppe von Journalisten verschleppt und kaltblütig erschossen. Dreißig der 57 Getöteten waren Journalisten. (Foto: AFP/JAY DIRECTO)