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Zeitungen im Zeitraffer 2000

Ein Überblick über das Medienjahr

2. Jänner 2000: 100 Jahre "Kronen-Zeitung"

Die "Kronen-Zeitung" feiert 100. Geburtstag. Am 1. Jänner 1900 wurde in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie die Kolportagesteuer abgeschafft. Auch dem "kleinen Mann" von der Straße war es damit möglich, sich eine Zeitung zu kaufen. Mit dem Start der "Oesterreichischen Kronen Zeitung" wurde dieses Bedürfnis am 2. Jänner 1900 befriedigt. Eine Zeitung für den "kleinen Mann" blieb die "Krone" bis heute, auch wenn sie es inzwischen - dank Hans Dichand - zum größten Blatt des Landes geschafft hat. Die "Krone" hält inzwischen bei 2,8 Millionen Lesern täglich. Rund eine Million Exemplare werden nach Schätzungen täglich verkauft, um die 500.000 Stück davon an Abonnenten.

 

9. Jänner 2000: "Sonntags-Rundschau" startet

Die von der "Oberösterreichischen Rundschau" konzipierte "Sonntags-Rundschau" kommt auf den Markt. Die Startauflage der Gratiszeitung beträgt 450.000 Stück, von denen rund 70 Prozent per Hauszustellung und 30 Prozent über Entnahmestellen in ganz Oberösterreich verteilt werden. Die jährlichen Gesamtkosten des Projektes betragen laut Verlag ATS 90 Millionen, die Druckkosten ATS 45 Millionen. "Krone"-Chef Hans Dichand überlegt ebenfalls eine Gratiszeitung für Oberösterreich.

 

11. Jänner 2000: Straßburg verurteilt Österreich

Österreich hat mit einem Veröffentlichungsverbot während der Briefbomben-Serie gegen das Grundrecht auf Pressefreiheit verstoßen. Dies rügt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Urteil. Die Illustrierte "News" hatte eine Reihe von Artikeln über die Serie von Briefbombenanschlägen veröffentlicht. Dabei wurde auch das Foto eines der Attentate verdächtigen Mitglieds des Neonazi-Milieus gezeigt. Der Mann protestierte gegen die Veröffentlichung und erzielte eine einstweilige Verfügung, die es "News" verbot, erneut Fotos von ihm zu drucken. Der Gerichtshof für Menschenrechte rügt dieses Veröffentlichungsverbot als "unangemessen".

 

17. Jänner 2000: Privatsender ATV startet

Mit einer Programm-Mischung aus Cartoons, Serien, Filmen, Talkshows, Nachrichten aus Österreich und der Welt sowie einem täglichen Boulevardmagazin startet ATV (Austria Television), Österreichs erster überregionaler Privat-TV-Sender. "Fernsehen abseits vom öffentlich-rechtlichen Fernsehaltar" lautet das Motto. ATV-Haupteigentümer ist der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber - ist in den meisten heimischen Kabelnetzen sowie per Satellit über die digitale d-box zu empfangen. Über Hausantenne kann man das Programm nicht empfangen, da die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlen. Ein terrestrisches Privat-TV-Gesetz wurde vom Parlament noch immer nicht verabschiedet.

 

30. Jänner 2000: ÖVP und FPÖ einigen sich auf Medienpaket

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen einigen sich ÖVP und FPÖ auf die Einführung von bundesweitem Privatfernsehen und Privatradio. Gleichzeitig soll beim Fernsehen nach dem Weg einer schrittweisen Digitalisierung gesucht werden. Auch regionale Privat-TV-Fenster in ORF2 soll es geben. Und: Bemühungen eines eigenen Sportkanals sollen unterstützt werden, um wenig breitenwirksame Sportarten zu fördern. Darüber hinaus planen die beiden Parteien die Gründung einer unabhängigen Medienbehörde, die auch den Bereich Telekommunikation beinhaltet. Die Verhandlungsteams sprachen sich weiters für eine Abschaffung der Werbesteuer aus. Bei der Presseförderung ist eine Neuordnung nach den Vorgaben eines Prognos-Weißbuches geplant. Es sollen verstärkt Vertriebsaktivitäten unterstützt werden.
"Wichtige Ansätze für eine künftige Medienordnung sowie für die Ausformung eines dualen Rundfunksystems" sieht der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in dem Arbeitsübereinkommen der schwarz-blauen Bundesregierung. "Ein erster Schritt zur Anerkennung der Medien als bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land" sei damit zwar getan, es bedürfe jedoch “in allen Fragen noch weitergehender Differenzierungen und Konkretisierungen", so die Verleger.

 

31. Jänner 2000: "OÖNachrichten" starten Lokalbeilage

Auf dem umkämpften Medienmarkt Oberösterreich schlagen die "OÖNachrichten" mit einer Lokal-Offensive zurück. Die Tageszeitung startet eine tägliche Lokal-Beilage für sechs Regionen des Bundeslandes. Darüber hinaus überschreiten die "OÖN" die Landesgrenze nach Niederösterreich und bieten dort Regional-Nachrichten für den Bezirk Amstetten an. Die Lokal-Offensive ist eine Reaktion auf den Start der "Sonntags-Rundschau".

 

14. Februar 2000: Radda & Dressler gründen ET-Multimedia

Die Verlagsgruppe Radda & Dressler bündelt ihre Wirtschafts-Printaktivitäten in der neugegründeten ET-Multimedia AG. Ziel der Umstrukturierung ist die Schaffung von multimedialen Dienstleistungen für Entscheidungsträger in der Wirtschaft. In der ET-Multimedia AG werden Radda & Dressler-Publikationen und -Beteiligungen wie "Option", "New Business", "Immobilienmagazin", die "How to spend it"-Titel und die Beteiligung am WirtschaftsBlatt zusammengefasst. Radda & Dresslers setzten zuletzt mit 250 Mitarbeitern knapp ATS 500 Mio. (36,3 Mio. Euro) um.

 

29. Februar 2000: "Kärntner Woche" feiert Geburtstag

Die "Kärntner Woche", die am 29. Februar 1996 erstmals erschienen ist, feiert Geburtstag. Mit 214.000 Exemplaren und 283.000 Lesern pro Ausgabe ist die "Woche" die auflagenstärkste Zeitung in Kärnten. Im vierten Jahr wird erstmals eine "schwarze Null" geschrieben. Damit ist die "Kärntner Woche" zu einem nicht unwesentlichen Produkt innerhalb der Styria-Gruppe geworden.

 

1. März 2000: VÖZ unterstützt montenegrinische Journalisten

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) finanziert ein zwölfwöchiges Ausbildungsprojekt für montenegrinische Print-Journalisten. Der Lehrgang für 25 Teilnehmer wird vom "Alternativen Informationsnetzwerk" (AIM) durchgeführt. Das AIM ist eine Organisation, zu der sich unabhängige Journalisten aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien und Albaniens zusammengeschlossen haben. "Wir unterstützen die Entfaltung freier und unabhängiger Medien in dieser Region, weil wir darin die Grundvoraussetzung für eine demokratische Entwicklung sehen", so VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer.

 

2. März 2000: Gratiszeitungen - "Nackter ökonomischer Wahnsinn"

Bei einer Veranstaltung des Verbandes Österreichischer Zeitungen berichten Medien-Manager über den Gratiszeitungsmarkt Zürich. "Das ist ein harter Verdrängungswettbewerb, nackter ökonomischer Wahnsinn", meint Kurt W. Zimmermann von der TA-Media AG. Eine Gratiszeitung für Wien kommt "todsicher", erklärt kurz vorher "Krone"-Chef Hans Dichand.

 

7. März 2000: "NÖN" expandieren ins Burgenland

Die "Niederösterreichischen Nachrichten" ("NÖN") überschreiten die Landesgrenzen und erscheinen auch in Teilen des Burgenlandes. Die 28. Lokalausgabe der regionalen Wochenzeitung wird für den Bezirk Mattersburg produziert. In Überlegung ist die weitere Expansion im Burgenland. Die "NÖN" gehört neben der "Oberösterreichischen Rundschau" zu den größten regionalen Wochenzeitungen in Österreich und erreicht über 700.000 Leser.

 

9. März 2000: Etappensieg für "TT" im Preiskampf gegen Mediaprint

Einen Etappensieg verbucht die "Tiroler Tageszeitung" (Schlüsselverlag J. S. Moser) im Kampf um das Tageszeitungs-Preisgefüge in Tirol gegen die Mediaprint ("Neue Kronen-Zeitung", "Kurier"). Laut einer einstweiligen Verfügung des Oberlandesgerichts Wien ist es marktbeherrschenden Medien - zu denen die "Krone" den Richtern zufolge auch im "Heiligen Land" zählt - vorerst verboten, in Tirol Abonnement-Preise anzubieten, die mehr als 27 Prozent unter jenen in anderen Bundesländern liegen. Die "Krone" hatte in Tirol zuvor sieben Ausgaben pro Woche samt Hauszustellung um monatlich ATS 99 offeriert, während das vergleichbare Abo-Paket in Wien um ATS 225 zu haben war. Die "Krone"-Preise im Westen wurden inzwischen wieder deutlich angehoben.

 

10. März 2000: Ökonomisierung, Expansion und Konvergenz

"Konzern-Journalismus", "Cross Media Publishing", "Multimedia", "Online" und "Katastrophenjournalismus" sowie fehlende medienpolitische Weichenstellungen als Folge eines "typischen (Vor-)Wahljahres": So sieht ein Bericht des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Uni Salzburg die journalistische Entwicklung in Österreich während des Jahres 1999. Generell haben sich den Autoren zufolge einige wichtige Trends manifestiert: "Alte" Medien und neue Informationstechnologien - vor allem Internet - verschmelzen, das Berufsbild des "Kern"-Journalismus erodiert zumindest an den Rändern zu Online, PR und Werbung. Wirtschaftlich sei 1999 insgesamt ein gutes Jahr gewesen.

 

13. März 2000: Rene-Marcic-Preis an Heinz Nußbaumer

Prof. Heinz Nußbaumer wird mit dem Rene Marcic-Preis des Landes Salzburg ausgezeichnet. In seiner Laudatio würdigte Univ. Prof. Dr. Heinz Pürer den langjährigen "Kurier"-Redakteur und Publizisten als außenpolitischen Journalisten, der 25 Jahre mit höchster Sachkompetenz aus allen Teilen der Welt berichtet habe, wobei seine großen Reportagen und Interviews international Beachtung fanden.

 

15. März 2000: "Wiener Zeitung" stockt Chefredaktion auf

Die "Wiener Zeitung" stockt ihre Chefredaktion auf. Neben Heinz Fahnler steht ab sofort Peter Bochskanl, bisher stellvertretender Chefredakteur, an der redaktionelle Spitze der ältesten Tageszeitung der Welt. Der Grund für die Erweiterung der Spitze ist die inhaltliche Neugestaltung des Blattes. Ausgebaut wird auch das Online-Angebot.

 

16. März 2000: "täglich Alles" sucht Finanziers

Nach den Rückzugsplänen des Zeitungsverlegers Kurt Falk macht man sich bei "täglich Alles" auf die Suche nach möglichen Finanzpartnern. Interesse an einer Beteiligung meldete Styria-Chef Horst Pirker an. Falks Gründe für den geplanten Rückzug: "Ich muss jetzt irgendwann einmal in Pension gehen. Das Motiv lautet leichte Ermüdung."

 

21. März 2000: "Krone"-Stiftung übernimmt 92.9 RTL

Eine Privatstiftung der "Kronen-Zeitung" übernimmt die Mehrheit beim Wiener Privatradio 92.9 RTL. Zum Jahreswechsel wurde die "Kurzwelle Privatstiftung" von Wolfgang Altermann und Hansjörg Fondermann als Geschäftsführer der Krone Vermögensverwaltung gegründet. Diese Stiftung übernimmt nun die Se-Se Liegenschaftsverwaltung, der 66 Prozent an 92.9 RTL Wien gehören. Die "Krone" ist bereits am Wiener Privatsender 88.6 beteiligt.

 

23. März 2000: Stabile Medienlandschaft

Eine weitgehend stabile und sich positiv entwickelnde Medienlandschaft weist die Media-Analyse (MA) 1999 auf. So gab es bei den Tageszeitungen nur eine einzige signifikante Veränderung, nämlich Verluste für "täglich Alles". Mit 76,1 Prozent entspricht die nationale Reichweite der Tageszeitungen 1999 der selben wie 1998. Leichte, aber nicht signifikante Anstiege gibt es für die "Kleine Zeitung" und für die "Salzburger Nachrichten". Bei den Wochenzeitungen steigen "Die Furche", "profil" und "tv-media" signifikant.

 

1. April 2000: "OÖ. Rundschau" kauft "Salzkammergut Zeitung"

Die "Oberösterreichische Rundschau" (Auflage 270.000) übernimmt die "Salzkammergut Zeitung" (Auflage 15.500); die "Salzkammergut Zeitung" agierte bis dahin autonom. Sie gehörte dem Preßverein Salzkammergut in Gmunden. Seitens der Rundschau gab es immer wieder die Absicht, die Zeitung zu kaufen. Bisher bestand zwischen den beiden Gruppen eine Anzeigenkooperation, die auch eine textliche Verschränkung bewirkte. Nun hat der Preßverein Konsortium Salzkammergut die Verlagsrechte an der "Salzkammergut Zeitung" an die OÖ. Rundschau Redaktions GesmbH. & CO.KG. verkauft. Die "Salzkammergut Zeitung" ist damit als 12. Regionalausgabe auch im Eigentumsverhältnis in die "OÖ. Rundschau" eingebunden. Die Kaufsumme soll etwa ATS 30 Millionen betragen haben.

 

4. April 2000: Kritik an Streichung des Zeitungstarifes

Heftige Kritik gibt es an der von der Regierung geplanten Streichung des ermäßigten Zeitungs-Zustelltarifes der Post. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) startet eine Informationskampagne in der Causa. "Herr Bundesminister Schmid! Die Regierung will ihre Kritiker postwendend zum Schweigen bringen. Mit Absicht?", heißt es in ganzseitigen Anzeigen, die in den heimischen Tageszeitungen platziert wurden. Infrastrukturminister Michael Schmid (FPÖ) will durch die Streichung ATS 900 Millionen einsparen, die der Post für den begünstigten Transport von Zeitungen als gemeinwirtschaftliche Leistung bisher vergütet wurden. Von der Regelung betroffen sind über 9.000 Titel, von Tageszeitungen über Magazine bis zu diversen Vereinszeitschriften. Gemeinnützige Organisationen und Vereine rechnen damit, dass durch die Streichung des Bundeszuschusses für die Post die Kosten pro Zeitungsversand von 60 Groschen auf sechs Schilling ansteigen. Durch die geplante Streichung würde vielen Medien die wirtschaftliche Basis entzogen, warnen die Zeitungsverleger.

 

8. April 2000: VÖZ-Klausur in Oberlech

Ganz im Zeichen der geplanten Abschaffung des Postzeitungsdienstes steht die Klausur des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in Oberlech am Arlberg. An die ATS 400 Millionen müssten die heimischen Tageszeitungen bei einer Streichung des ermäßigten Zeitungstarifes mehr aufbringen. Magazine und Wochenzeitungen müssten ATS 200 Mio. zusätzlich zahlen. Zum Vergleich: Die Presseförderung betrug 1999 etwa ATS 265 Mio. und wurde für 2000 auf ATS 210 Mio. gekürzt. Bei ihrer Klausur sprechen die Herausgeber auch über alternative Zustelldienste. Die Hauszustellung könnte ausgebaut werden. Sobald es im Postbereich zur Liberalisierung kommt, sei es dann auch denkbar, dass die Medienunternehmen auch andere Postsendungen mitnehmen. In Deutschland machen Verlage wie Holtzbrinck der Post bereits Konkurrenz. Der VÖZ appelliert an die Bundesregierung, den Postzeitungsdienst "im Interesse der Bürger des Landes zur flächendeckenden Versorgung mit Information zu erschwinglichen Preisen als gemeinwirtschaftliche Leistung aufrecht zu erhalten".

 

11. April 2000: Leykam plant Beteiligung an slowenischer Tageszeitung

Die Grazer Leykam Medien AG zeigt Interesse am Einstieg bei der slowenischen Tageszeitung "Vecer". In Frage kommt ein Anteil zwischen 25 Prozent und 40 Prozent. Leykam betreibt seit etwa fünf Jahren eine Druckerei in Slowenien, in der "Vecer" hergestellt wird. Interesse an der Marburger Zeitung hat auch der deutsche Medienkonzern WAZ, der in Österreich an "Kronen-Zeitung" und "Kurier" beteiligt ist.

 

11. April 2000: Einheitliche Bundesregelung der Werbesteuer

Die Bundesregierung beschließt eine einheitliche Bundesregelung der Werbesteuer. Der Steuersatz der bisher von Ländern und Gemeinden eingehobenen Abgabe wird von durchschnittlich zehn auf einheitlich fünf Prozent gesenkt. Die Neuregelung erfolgt ohne Ausdehnung auf Direktmarketing, die Einhebung übernimmt der Bund. Gemeinden und Länder verlieren durch die beschlossene Reduzierung des Steuersatzes fast eine Milliarde Schilling pro Jahr. Die betroffenen Medien und Werber reagieren positiv. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) begrüßt die Initiative. "Das ist eine vernünftige Maßnahme, welche einerseits chaotische Zustände verhindert und endlich Rechtssicherheit bringt, sowie andererseits Österreich der europäischen Normalität, die solche Steuern nicht kennt, einen wichtigen Schritt näher bringt", meint VÖZ-Präsident Max Dasch.

 

14. April 2000: Sportwetten Gesellschaft gegründet

Die Österreichischen Lotterien und eine Reihe heimischer Tageszeitungen gründen die seit längerem geplante Sportwetten Gesellschaft. 56 Prozent an dem Unternehmen hält die von Lotterien und Casinos Austria geführte Entertainment Glücks- und Unterhaltungsspielgesellschaft. Der Mediaprint ("Kronen-Zeitung", "Kurier") gehören 26 Prozent, und 18 Prozent besitzt die Bundesländerverlage Beteiligungsgesellschaft, hinter der die Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse"), "Vorarlberger Nachrichten", "Tiroler Tageszeitung", "Salzburger Nachrichten" und "Oberösterreichische Nachrichten" stehen. Zwischen dem Wettkonsortium und dem ORF, der an den Lotterien mit sechs Prozent beteiligt ist, soll es eine Kooperation geben. Als Plattform für die Wettaktivitäten könnte der Wetter- und Tourismuskanal TW1 dienen, an dem der ORF und die Sitour-Gruppe von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel beteiligt sind.

 

14. April 2000: WAN warnt Bundesregierung

Als "Gefährdung der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit" bezeichnet der Weltverband der Zeitungen (WAN) den Plan der Bundesregierung, den Postzeitungsdienst in Österreich abzuschaffen. In einem von WAN-Präsident Bengt Braun und dem Generaldirektor des in Paris ansässigen Weltverbandes Timothy Balding gezeichneten Brief an die Regierungsmitglieder und Präsidenten des Nationalrates warnen die Zeitungsverleger außerdem auch vor der Gefährdung des Rufes des Wirtschaftsstandortes Österreich.

 

17. April 2000: Styria will sich an "Vecernji List" beteiligen

Die Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse") will sich an der größten kroatischen Tageszeitung "Vecernji List" ("Abendblatt") mehrheitlich beteiligen. Styria-Generaldirektor Horst Pirker sprach von einer "Vertiefung der schon seit Jahrzehnten bestehenden und auf persönlicher Ebene freundschaftlichen Kontakte" zu "Vecernji List". Zur Gruppe des kroatischen Medienunternehmens zählen neben der Tageszeitung - mit rund 200.000 Exemplaren Auflage - noch eine Druckerei, eine Werbeagentur und eine Beteiligung am ersten privaten Mobiltelefonnetz Kroatiens. Für die Styria wäre "Vecernji List" nach der "Kleinen Zeitung" (Graz/ Klagenfurt) und der Wiener "Presse" das dritte Engagement im Tageszeitungssektor - und das erste außerhalb von Österreich. Die deutsche WAZ-Gruppe hat ebenfalls Interesse an der kroatischen Tageszeitung.

 

27. April 2000: Stufenlösung bei Zeitungstarif

ÖVP und FPÖ einigen sich in der Causa Postzeitungsdienst auf eine Stufenlösung. Ursprünglich war die Streichung des ermäßigten Zeitungstarifes geplant. Nun soll das System aber bis Ende 2001 fortgesetzt werden. Den Betroffenen bleibt damit eine eineinhalbjährige Übergangsfrist. Die wichtigsten Punkte des Kompromisses: Der begünstigte Zeitungsversand bleibt bis Ende 2001 aufrecht. Die Tarife für Kaufzeitungen und gemeinnützige Vereine steigen heuer und im Jahr 2001 um je 15 Prozent. Die Zeit bis Ende 2001 soll genützt werden, um ein Modell auszuarbeiten, das zweckmäßig und wirtschaftlich ist. Bei den Tageszeitungen ist eine Reform der Presseförderung geplant. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) sieht die beschlossene Lösung als einen "mittelfristigen Sieg der Vernunft und als einen Kompromiss, der den unbewältigbaren Zeit- und Kostendruck wegnimmt". In den folgenden Wochen und Monaten kommt es zwischen Post, Verlegern und Vertretern von gemeinnützigen Organisationen zu einem Tauziehen um die Preisgestaltung bei den Zeitungstarifen. Erst im Oktober kommt es zu einer endgültigen Tarif-Einigung.

 

3. Mai 2000: Tag der Pressefreiheit

Insgesamt 36 Reporter und Journalisten mussten 1999 in Ausübung ihres Berufes ihr Leben lassen, teilt die Österreich-Sektion der Organisation "Reporter ohne Grenzen" anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit mit. Bereits am Vortag werden vom Presseclub Concordia die Concordia-Preise vergeben. Der Ehrenpreis geht an Kardinal Franz König. Die Auszeichnung in der Kategorie Menschenrechte erhält die "Standard"-Journalistin Brigitte Voykowitsch, jene für Pressefreiheit die Vereinigung unabhängiger elektronischer Medien in Jugoslawien (ANEM). "Pressefreiheit als Grundrecht ist nicht nur die Freiheit, mit der Öffentlichkeit kommunizieren zu können, Pressefreiheit setzt auch Strukturen wie Vielfalt und Eigenständigkeit voraus", so VÖZ-Präsident Max Dasch bei der Preisverleihung.

 

8. Mai 2000: Neuerungen bei "Antenne Kärnten"

Eine Reihe von Neuerungen gibt es beim Regionalradio "Antenne Kärnten": Norbert Sternad scheidet als Geschäftsführer aus, sein Nachfolger wird Dietmar Zikulnig. Beschlossen wird weiters eine Kapitalerhöhung um rund ATS 5,1 Millionen. Die Hypo-Landesbank und die Raiffeisen Bank Kärnten treten ihre Anteile von je sieben Prozent an die Styria-nahe AV Beteiligungsgesellschaft ab. Mit dem Erwerb der Hypo- und Raika-Anteile hält die AV jetzt 34 Prozent an der "Antenne Kärnten". Weitere zehn Prozent befinden sich im Eigentum der Styria. Sternad, geschäftsführender Gesellschafter der Multi Media Zeitschriftenverlags GesmbH ("Kärntner Monat") widmet sich künftig zur Gänze dem Aufbau des "Salzburger Monat". Zikulnig bleibt auch weiterhin Geschäftsführer der im Eigentum der Styria befindlichen "Kärntner Woche".

 

15. Mai 2000: News-Gruppe startet "E-Media"

Die Verlagsgruppe News bringt das neue Internet- und Computermagazin "E-Media" auf den Montags-Markt. "E-Media" ist nach "News", "tv-media" und "Format" das vierte Magazin des Hauses. Die neue Zeitschrift erscheint 14-tägig und berichtet über die neue Welt des Internet und die Computer-Szene.

 

18. Mai 2000: Mediaprint-Titel wieder beim VÖZ

Die Mediaprint-Titel "Kronen-Zeitung", "Kurier" und "profil" treten wieder dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) bei. Die Anträge um Aufnahme der drei Zeitungen und Magazine, die im Vorjahr wegen Meinungsverschiedenheiten rund um die Privat-TV-Pläne des VÖZ aus dem Verband ausgetreten waren, werden vom VÖZ-Vorstand einstimmig angenommen. Eine "Stärkung der Basis und Schlagkraft" sieht VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer im Wiedereintritt der Mediaprint-Titel. Näher gekommen sind einander die beiden Gruppierungen über Gespräche zur Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) und zum Kollektivvertrag sowie über die Verhandlungen im Rahmen der geplanten Internet-Plattform Österreich, an der der ORF und eine Reihe von Zeitungsverlagen - darunter einige VÖZ- und Mediaprint-Titel - bauen. Der Wiedereintritt von "Krone", "Kurier" und "profil" führt auch zu Neuerungen in den VÖZ-Gremien. Geschäftsführer Wolfgang Altermann für die "Krone", "Kurier"-Chefredakteur Peter Rabl für den "Kurier" sowie "Kurier"- und ZVB-Geschäftsführer Hans Georg Otto für die Kurier-Zeitschriftentochter ZVB ("profil") ziehen in Vorstand und Präsidium des Verbandes ein.

 

18. Mai 2000: Journalisten erhalten 2,5 Prozent KV-Erhöhung

Die Tarifverhandlungen zwischen dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und der Journalistengewerkschaft werden beendet. Die Tarifpartner einigen sich auf eine Erhöhung der Kollektivvertragsgehälter bei Tages- und Wochenzeitungen um 2,5 Prozent. Darüber hinaus wird eine einmalige Konjunkturprämie von ATS 5.000 ausbezahlt. Die KV-Erhöhung bezieht sich auch auf Freie Mitarbeiter, Pauschalisten und Textbeiträge.

 

22. Mai 2000: Mediaprint will Hauszustellung öffnen

Die Mediaprint ("Kronen-Zeitung", "Kurier", "trend"/"profil") will die Hauszustellung beim Zeitungsvertrieb auch auf andere Produkte ausdehnen, kündigt Mediaprint- und "Kurier"-Geschäftsführer Hans Georg Otto an. Denkbar sei, dass auch Konkurrenten in die Mediaprint-Hauszustellung aufgenommen werden. Darüber hinaus ist eine Modernisierung im Druck vorgesehen. Man plant Investitionen von ATS 3 Milliarden innerhalb von zwei Jahren und will zwölf Druckmaschinen mit den dazugehörigen Versandstraßen anschaffen.

 

25. Mai 2000: Vorhofer-Preis an Andreas Koller

Andreas Koller, Innenpolitik-Chef und Leiter der Wiener Redaktion der "Salzburger Nachrichten" ("SN"), erhält den mit ATS 100.000 dotierten Kurt-Vorhofer-Preis. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Koller sich durch ein "außerordentlich hohes journalistisches Qualitätsbewusstsein" auszeichnet. Koller trete darüber hinaus seit vielen Jahren für die Wahrung der Grundrechte in Österreich ein und verfüge über ein unparteiisches, unbestechliches und von herausragendem Sachwissen geprägtes Urteil.

 

30. Mai 2000: KfJ muss Sparstift ansetzen

Das Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) muss sparen, da die Förderungen aus den Mitteln der Bundespresseförderung für 2000 um eine Million Schilling gekürzt wurden. Der "Kernbetrieb" soll aufrecht erhalten werden, Veranstaltungen und Stipendien sind aber nur mehr eingeschränkt möglich. Als Konsequenz müssen die rund 70 Volontariatsstipendien, die das KfJ jährlich in der Höhe von je ATS 7.000 vergibt, um die Hälfte gekürzt werden. Bereits geplante Veranstaltungen werden abgesagt. Rund ATS 5 Millionen erhält das KfJ heuer aus dem Presseförderungstopf.

 

31. Mai 2000: Styria und GWR gründen Radioservice-Gesellschaft

Die Styria Medien AG und die britische Radiogruppe GWR gründen eine Radio-Servicegesellschaft. Die "ABC Radio Service GmbH" soll private Radiobetreiber bei der Programmstrategie, im Marketing, im Verkauf und bei Rechtsfragen unterstützen. Die Gesellschaft versteht sich als überregionaler Dienstleister, der den österreichischen Privatradios "Antenne Steiermark", "Antenne Wien", "Antenne Kärnten" und "Antenne Salzburg" (früher "Radio Melody") sowie "weiteren interessierten Privatradio-Betreibern" Serviceleistungen anbieten werde. Für die einzelnen "Antennen" steht das Ausbilden einer starken, überregionalen Marke an vorderster Stelle.

 

7. Juni 2000: "Presse"-Herausgeber Julius Kainz ist 65

"Presse"-Herausgeber Julius Kainz feiert seinen 65. Geburtstag. Der am 7. Juni 1935 in der Steiermark geborene Jubilar war über viele Jahre hinweg als Verlagsdirektor der Styria Medien AG sowie seit 1991 als Geschäftsführer der Tageszeitung "Die Presse" aktiv. Seit fünf Jahren fungiert Kainz auch als Herausgeber des Traditionsblattes. Weiters agierte Kainz von 1979 bis 1988 als VÖZ-Präsident und konnte zwei Abkommen des Verbandes mit dem ORF abschließen. In der Medienbranche gilt der Verleger als "Retter" der "Presse". Als er 1991 die Leitung der "Presse" übernahm, ging es dem Blatt nicht besonders gut. Mit dem Relaunch 1993 begann die Aufwärts-Entwicklung. Kainz führte die jahrzehntelang chronisch defizititäre Zeitung in die Gewinnzone. Mit seinem Geburtstag zieht sich Kainz von der Geschäftsführung der "Presse" zurück, er bleibt aber alleiniger Herausgeber.

 

30. Juni 2000: APA gegen "Content-Piraterie" im Web

Die APA-Austria Presse Agentur geht an der Spitze der österreichischen Medien vehement gegen unlauteren Wettbewerb im Nachrichtenbereich vor. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen Content-Anbieter, die Inhalte von Agenturen und Zeitungen im Internet für eigene kommerzielle Produkte auswerten, ohne die entsprechenden Verwertungsrechte dafür zu besitzen.

 

11. Juli 2000: Presseförderung beschlossen

Der Ministerrat beschließt die Allgemeine und die Besondere Presseförderung für 2000. Insgesamt sind für die Besondere Presseförderung ATS 132 Millionen veranschlagt, was einer Kürzung von 20 Prozent gegenüber 1999 entspricht. Die Allgemeine Presseförderung wird in der Höhe von ATS 88 Millionen Schilling (1999: ATS 100,6 Mio.) an Tages- und Wochenzeitungen, Presseclubs und für die Journalistenausbildung vergeben. Neun Blätter haben Anspruch auf die Besondere Presseförderung. Bedeutend schmäler als voriges Jahr sind die Mittel für den "Standard" mit ATS 8,859.996 (1999: ATS 19,808.870) sowie für die "Salzburger Nachrichten" mit ATS 2,869.565 (ATS 7,125.000). Grund hierfür sind gesetzliche Bestimmungen, wonach der Anzeigenanteil im Durchschnitt der vorvergangenen fünf Jahre 22 Prozent nicht überschreiten darf. Trifft dies zu, wird eine Kürzung des Förderungsbetrages in Dritteln vorgenommen.

 

13. Juli 2000: Privatrundfunkbehörde verfassungswidrig

Die ersten Privatradiolizenzen in Österreich wurden von einer Behörde vergeben, die nicht verfassungsgemäß konstruiert war. Zu diesem Schluss kommt der Verfassungsgerichtshof (VfGH) in einem Erkenntnis. Das Urteil gilt rückwirkend, da bereits am 1. August 1999 eine Novellierung des Regionalradiogesetzes vorgenommen wurde. Anlass für die Überprüfung des VfGH waren rund 90 Beschwerden gegen Bescheide der Behörde.

 

12. August 2000: "täglich Alles" stellt Printausgabe ein

Kurt Falk sorgt für Überraschung: Falk stellt von heute auf morgen seine Tageszeitung "täglich Alles" ein. Die im April 1992 gegründete Tageszeitung wird nur mehr im Internet publiziert. Die Druckerei von Falks Familiapress-Verlag wird geschlossen. Das Aus für die Print-Ausgabe begründete Falk damit, "weil es nicht mehr gerechtfertigt ist, im Zeitalter der Telekommunikation die Nachrichten von gestern mit dem Datum von heute um teures Geld zu verkaufen." Mit finanziellen Schwierigkeiten habe die Einstellung der Papierausgabe nichts zu tun. Die Ganze Woche wird schon seit längerem in Bayern gedruckt und soll in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden. Auf dem Titelblatt der letzten Print-Ausgabe von "Alles" heißt es "www.papier.ade".

 

28. August 2000: "Süddeutsche" übernimmt Wirtschaftsverlag

Der Süddeutsche Verlag ("Süddeutsche Zeitung"), zu 49 Prozent am "Standard" beteiligt, tätigt eine weitere Akquisition in Österreich. Vom Wirtschaftsbund werden 74 Prozent am Wirtschaftsverlag übernommen. Der Wirtschaftsverlag gibt unter anderem 40 Branchenpublikationen heraus und ist mit einem Umsatz von rund ATS 270 Millionen sowie den Tochterunternehmen Erb-/Bastei Verlag Österreichs größter Fachzeitschriftenverlag.

 

31. August bis 2. September 2000: Alpbacher Mediengespräche

Unter dem Motto "Informations- und Kommunikationskultur der Zukunft" gehen die Alpbacher Mediengespräche aktuellen Entwicklungen am Mediensektor nach. Content und E-Commerce, Konvergenz und Regulierung und "TVisionen" stehen auf dem Tagungsprogramm. Kritik am politischen Klima nach dem Regierungswechsel übt in Alpbach VÖZ-Vizepräsident und "Standard"-Herausgeber Oscar Bronner. Er konstatierte die "zunehmende Verrohung des politischen und journalistischen Diskurses". Die ökonomischen Rahmenbedingungen für Medien würden sich verschlechtern. Als Beispiele nannte der VÖZ-Vize die "schlagartige, existenzgefährdende Heraufsetzung der Postgebühren für Zeitungszustellung", die "dramatische Kürzung der Presseförderungsmittel", die "steuerliche Schlechterstellung von Zeitungsbeilagen gegenüber Postwurfsendungen", die "immer schamloser werdende Einflussnahme in die journalistische Arbeit des ORF" sowie die "Einengung des publizistischen Spielraums mit Hilfe juristischer Tricks und institutionalisierter Unvereinbarkeiten". Der Alpbacher "Mediengipfel" wird vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und dem ORF gemeinsam mit dem Österreichischen College veranstaltet.

 

2. September 2000: "Krone" nimmt an AustriaNet teil

Die "Kronen-Zeitung" nimmt am Internet-AG-Projekt von ORF und mehreren österreichischen Zeitungen teil. Dies berichtet ORF-Generalintendant Gerhard Weis bei den Alpbacher Mediengesprächen. Bis zuletzt war unklar, ob die "Krone" an der Kooperation teilnimmt. Nach dem angekündigten Einstieg der WAZ-Gruppe bei Libro und dessen Online-Tochter Lion.cc ging man davon aus, dass die "Krone", zur Hälfte im Besitz der WAZ, ihre Internetpräsenz "krone.at" in die Lion-Plattform einbringt. Die "Krone" nimmt nun an beiden Projekten teil. Abseits von AustriaNet präsentierte ORF-Generalintendant Weis weitere Ergebnisse der Internet-Kooperation zwischen ORF und dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Gebaut wird an einer Content- und Vermarktungsplattform sowie einer gemeinsamen Reichweitenuntersuchung. Die APA-Austria Presse Agentur entwickelt für die Content-Plattform von ORF und VÖZ eine entsprechende technische Plattform zum Austausch von Inhalten.

 

4. September 2000: "News" und "profil" schließen sich zusammen

Die Verlagsgruppe News mit den Zeitschriften "News", "tv-media", "Format" und "E-Media" sowie die Kurier-Magazin-Tochter ZVB, zu der "profil", "trend" und die Titel des Orac-Verlags gehören, schließen sich zusammen. Die ZVB tritt der News-Gruppe bei und hält künftig 30 Prozent an der Gesellschaft. 70 Prozent gehören den bisherigen News-Gesellschaftern. Mit dem Deal ist eine zumindest dreijährige Bestandsgarantie für die Magazine "News" und "Format" sowie "profil" und "trend" verbunden. Damit ist die Schlacht zwischen den beiden Magazingruppen beendet. Die Medienvielfalt werde durch ein Abkommen gesichert, wonach die Eigentümer der Kurier-Gruppe weiterhin für die Bestellung der Herausgeber und die Blattlinie von "profil" und "trend" alleine verantwortlich sind, während die "News"-Eigentümer weiterhin Herausgeber und Blattlinie von "News" und "Format", "tv-media" und "E-Media" alleine bestimmen, heißt es. Die alleinige wirtschaftliche Führung der Verlagsgruppe News liegt künftig beim Mehrheitseigentümer. Ziel der Zusammenführung sei es vor allem, den Bestand der Magazine "profil" und "trend" auf Seiten der Kurier-Gruppe sowie von "News" und "Format" auf Seiten der News-Gruppe langfristig zu sichern. Insgesamt wird die Verlagsgruppe News nach der neuen Vereinbarung zwölf Zeitschriftentitel verlegen. Es sind dies die Wochenzeitschriften "News", "tv-media", "profil", "Format", das Computermagazin "E-Media" sowie die Monatszeitschriften "trend", "Auto-Revue", "Yacht-Revue", "Golf-Revue", "Rennbahn-Express", "Bühne" und "Gusto". Bisher hielt die Bertelsmann-Tochter Gruner+ Jahr 75 Prozent an der News-Gruppe, die restlichen 25 Prozent lagen bei der Fellner Privatstiftung der "News"-Gründer Wolfgang und Helmuth Fellner. Nun übernimmt die ZVB 30 Prozent der News-Gruppe. 52,5 Prozent verbleiben bei Gruner+Jahr, 17,5 Prozent bei der Fellnerschen Stiftung. Via ZVB-Beteiligung rücken die WAZ-Gruppe und der Bertelsmann-Konzern auch in Österreich enger aneinander: Die WAZ hält 49,5 Prozent am "Kurier", Bertelsmann ist der Mutterkonzern von Gruner+Jahr. In Deutschland ziehen die beiden Unternehmen als Gesellschafter der RTL Group bereits seit längerem an einem Strang. Weiterer "Kurier"-Gesellschafter ist die Raiffeisen-Gruppe mit 50,5 Prozent.

 

7. September 2000: Neue Gratiszeitungen für Salzburg

Mit sieben Lokalausgaben starten am 7. September die "Salzburger Bezirksblätter". Mit dem Stadtblatt Salzburg, den Bezirksblättern Flachgau West, Flachgau Ost, Tennengau und Lungau sowie den Bezirkszeitungen Pinzgau und Pongau steigt die Print-Zeitungsverlag GmbH, eine 50-prozentige Tochter der "Tiroler Tageszeitung", in großem Stil in den Salzburger Gratiszeitungsmarkt ein.

 

29. September 2000: Morawa und Styria legen Buchhandel zusammen

Der Buch-Fachhändler Morawa und das Unternehmen Bux, Buchhandelstochter der Styria Medien AG, fusionieren zur Morawa & Styria Buchhandel GmbH. Die übrigen Geschäftsbereiche der neuen Partner würden nicht von der Fusion berührt, heißt es. Zur Styria Medien AG gehören die Tageszeitungen "Kleine Zeitung" und "Die Presse", der Morawa-Konzern ist neben dem Buch-Fachhandel auch im Pressevertrieb aktiv.

 

1. Oktober 2000: "OÖN" und Mediaprint kooperieren

Unter maßgeblicher Beteiligung aus Österreich fällt im Raum Passau der Anpfiff für ein Match der Gratisblätter. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" ("OÖN") und die Mediaprint ("Kronen-Zeitung", "Kurier") starten eine Gratiszeitung. Die Passauer Verlagsgruppe kontert mit einem kostenlosen Sonntagsblatt. Zu je 50 Prozent sind "OÖN" und Mediaprint an der neu gegründeten Zeitungsproduktions- und Vertriebsgesellschaft (ZPV) beteiligt. Diese hält 90 Prozent am Verlagsunternehmen ZVP, das "Sieben Tage Passau" auf den Markt bringt. Die restlichen zehn Prozent liegen beim Passauer Verleger Michael Wagner, der auch als Geschäftsführer fungiert. Produziert wird das Blatt in Linz. Redaktion, Anzeigenmarketing und Vertrieb sind in Passau angesiedelt. Laut "OÖN" hat den Ausschlag für die Mediaprint als Weggefährtin der Start der "Sonntags-Rundschau", des Gratisblattes der "Oberösterreichischen Rundschau", im Jänner des Jahres gegeben. Die Verlagsgruppe Passau hält die Mehrheit an der "Rundschau". Auf die Offensive der Österreicher reagieren die Passauer mit einer neuen Gratiszeitung für den Passauer Raum. Die Kooperation der "OÖN" mit der Mediaprint könnte indes auch im Inland ihre Fortsetzung finden: Man hat die Absicht, sich zu 50 Prozent am Gabler Zeitungsverlag mit Sitz in Ried im Innkreis zu beteiligen. Dieser steht seit einigen Monaten im Mehrheitseigentum der Mediaprint.

 

6. Oktober 2000: NÖ Pressehaus übernimmt Titel der "NÖ Rundschau"

Die Niederösterreichische Pressehaus VerlagsgesmbH, eine Tochter der NÖ Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH, und die NÖ Rundschau VerlagsgesmbH einigen sich auf die Angliederung der Lokalzeitungen "Schwarzataler Bezirksbote", "Wiener Neustädter Nachrichten" und "Badener Rundschau" sowie des Gratisblattes "Unser St. Pölten" an den Verlag der "Niederösterreichischen Nachrichten" ("NÖN").

 

10. Oktober 2000: VÖZ will Garantie für Pressefreiheit in EU-Grundrechtscharta

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ist mit der Formulierung zur Pressefreiheit im Entwurf für die Europäische Grundrechtscharta nicht zufrieden. Mit dem Vorschlag an den Europäischen Rat werde "die Pressefreiheit nicht ausdrücklich und ausreichend garantiert". VÖZ-Präsident Max Dasch: "Medienfreiheit und Meinungsvielfalt sind Grundvoraussetzungen für eine weitere demokratische Entwicklung in Europa und müssen daher ein zentraler Punkt einer solchen Grundrechtscharta sein."

 

11. Oktober 2000: APA gewinnt erste Runde im Content-Streit

Die APA-Austria Presse Agentur gewinnt die erste Runde im Content-Streit gegen den Internet-Dienst pressetext.austria (pte). Das Handelsgericht Wien folgt in einem Beschluss uneingeschränkt der Argumentation der APA und sieht im Zusammenhang mit dem pte-Angebot die systematische Verletzung des Urheberrechts und Wettbewerbsgesetzes gegeben. Als "außerordentlich erfreulich" und als "richterliche Bestätigung des vom VÖZ konsequent vertretenen Rechtsstandpunktes, dass hochwertige Inhalte auch im Internet gegenüber Wiederverwertern urheberrechtlich geschützt sind", bezeichnete VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer die Entscheidung des Handelsgerichtes. Kurze Zeit später wird ein weiterer Antrag der APA aus formalen Gründen abgewiesen. Einige urheberrechtliche Fragen bleiben offen, weshalb die APA die Ausjudizierung des Content-Streits anstrebt.

 

11. Oktober 2000: Lokalzeitungen für das Burgenland

Mit fünf Lokalausgaben startet der Gratiszeitungsring "Bezirksblätter Burgenland". Das "Bezirksblatt"-Konzept wird nach einem ähnlichen Projekt in Salzburg ein weiteres Mal "exportiert", wie Otto Steixner, Co-Geschäftsführer der neuen burgenländischen Gratisblätter, erklärt. Als Geschäftsführer des Print Zeitungsverlages, einer 50-prozentigen Tochter der "Tiroler Tageszeitung" ("TT"), zeichnet Steixner für die "Tiroler Bezirksblätter" und die "Salzburger Bezirksblätter" verantwortlich. Im Burgenland ist die "TT"-Tochter laut Steixner nicht involviert. Die "Bezirksblätter Burgenland" stehen im Eigentum von Erich Postl und Anton Gruber, die schon ab 1986 die "Bezirksrundschau Oberwart" herausgegeben haben. Postl brachte darüber hinaus ab 1990 die Zeitschrift "Eisenstadt Aktuell" heraus.

 

17. Oktober 2000: Medienbehörde KommAustria

Die Bundesregierung präsentiert den Entwurf für die geplante Medienbehörde KommAustria. Gegliedert ist der neue Regulator in drei Kommissionen: die Medienkommission (mit sechs Mitgliedern), die Infrastrukturkommission (drei Mitglieder) sowie die Wettbewerbskommission (drei Mitglieder). Darüber hinaus können im Einzelfall so genannte "Verstärkte Kommissionen" zusammentreten. Die Medienkommission ist für Zulassungen von Rundfunkveranstaltern und Entzug derselben zuständig und übernimmt im Wesentlichen alle Aufgaben, die bisher von der Privatrundfunkbehörde wahrgenommen wurden. Auch die Agenden der Kommissionen zur Wahrung des Rundfunkgesetzes sowie zur Wahrung des Kabel- und Satellitenrundfunkgesetzes werden hier angesiedelt. Auf die Infrastrukturkommission gehen großteils Aufgaben der Telekom Control über, auch die Frequenzplanung und -verwaltung, die Entscheidung über Konzessionen im Bereich der Telekommunikation. Die Wettbewerbskommission schließlich widmet sich der Wahrnehmung der Missbrauchsaufsicht, kann eine Antragstellung nach dem Kartellgesetz vornehmen und erstellt Gutachten. Die 13 Mitglieder der KommAustria sollen vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung für sechs Jahre ernannt werden. Dem Vorschlag der vier hauptberuflichen Mitglieder muss eine Ausschreibung und ein Hearing vorangehen. Die vier nebenberuflich in der Medienkommission tätigen Mitglieder sollen dabei vom Hauptausschuss des Parlaments vorgeschlagen werden. Die Finanzierung der Behörde erfolgt aus "Finanzierungsbeiträgen" von Rundfunk- und Telekommunikationsunternehmen. Gleichzeitig präsentiert die Bundesregierung ein neues Privatradiogesetz, mit dem die bisherigen Beteiligungsobergrenzen fallen sollen. Eine "Nachdenkpause" gibt es hingegen beim ORF-Gesetz.

 

19. Oktober 2000: VÖZ-Kampagne gegen mehr Werbung im ORF

Mit Advertorials weist der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) darauf hin, dass die "TV-Werbezeit am Limit" ist. "Wir sind dafür, dass der Status quo so bleibt, wie er ist", tönt es aus dem VÖZ. "Sie haben den Eindruck, dass es in den ORF-Fernsehprogrammen heute mehr Werbung gibt als früher? Ihr Gefühl täuscht Sie nicht", heißt es im Text des Inserats. Mit Beginn 1999 sei die zulässige TV-Werbezeit auf 35 Minuten pro ORF-Kanal ausgedehnt worden, 2001 kommt eine Erweiterung um 20 Prozent auf 42 Minuten täglich. Das ist genug, meint der VÖZ. Die Zeitungen sehen sich mit einer Reihe von Belastungen konfrontiert, mehr TV-Werbung würde einen Verlagerungseffekt zu Lasten von Zeitungen und Magazinen bewirken. "Für den VÖZ kommt eine weitere Ausdehnung der Fernsehwerbung jetzt nicht in Frage", lautet daher der eindeutige Standpunkt im Inserat. ORF-Generalintendant Weis habe "dem VÖZ zugesichert, dass derartige Überlegungen nicht vom ORF angeregt worden sind". ORF-Generalintendant Gerhard Weis wollte sich nicht über mehr Werbung für seine TV-Sender äußern. Er verwies auf die "Pakttreue" mit den österreichischen Zeitungsverlegern.

 

26. Oktober 2000: Libro und WAZ besiegeln Partnerschaft

Der börsenotierte Buchhandels- und Medienkonzern Libro und die Gruppe um die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ("WAZ") wollen im elektronischen Handel zu einem führenden Internet-Anbieter in Deutschland aufsteigen. Dazu erwirbt das Essener Verlagshaus an der Libro-Internettochter lion.cc eine Beteiligung von 35 Prozent. Im kommenden Jahr soll der E-Commerce-Anbieter bei entsprechendem Umfeld an die Börse gebracht werden. lion wurde vor rund einem Jahr als 100-prozentige Tochter der börsennotierten Libro gegründet. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen der am schnellsten wachsende Internetanbieter in Österreich. Die "WAZ" ist in Österreich bereits an "Kronen-Zeitung" und Kurier-Gruppe beteiligt. In lion.cc wird die "WAZ" ihre eigene Internetaktivität cityweb.de einbringen, den größten regionalen Onlinedienst in Deutschland.

 

31. Oktober 2000: Teilprivatisierung des ORF im Gespräch

Während die "Nachdenkpause" der Regierungsparteien in Sachen ORF-Gesetz andauert, bringt die FPÖ eine weitere Variante zur Zukunft des ORF ins Spiel. Ein Modell in den Gesprächen mit der ÖVP ist demnach die Vermietung eines ORF-Kanals. Von einer umfassenden Strukturreform ist die Rede. In die Diskussion über den ORF klinkt sich auch die "Kronen-Zeitung" ein. In einem Kommentar "Von besonderer Seite" plädiert das Blatt für die Privatisierung eines ORF-Kanals. "Krone"-Chef Hans Dichand selbst versucht seit Jahren, mit seiner Tele1-GmbH terrestrisches Privat-TV in Österreich zu starten. In Salzburg startet unterdessen der Lokalsender "Salzburg TV" die terrestrische Ausstrahlung seines Programms. Mangels gesetzlicher Grundlagen wird der Betrieb von den Behörden aber schnell wieder abgedreht.

 

1. November 2000: Medienpolitik sorgt für Kritik

Die medienpolitischen Schwerpunkte der Regierung stoßen in der österreichischen Medienlandschaft auf Kritik. Das von der ÖVP-FPÖ-Koalition angestrebte Nulldefizit hat auch im Medienbereich seine Spuren hinterlassen. Kürzungen im Förderbereich und das ausstehende Privat-TV-Gesetz sorgen für Unmut. Zeitungsverleger und Privat-TV-Betreiber sehen sich mit "Belastungswellen" konfrontiert. Die Presseförderung wurde 2000 um 20 Prozent gekürzt, für die Publizistikförderung wurden um 15 Prozent weniger Mittel bereit gestellt als im Vorjahr. Der größte Brocken für die Printmedien aber ist die von der Regierung geplante ersatzlose Streichung des begünstigten Postzeitungstarifs. Zeitungsverleger und gemeinnützige Organisationen protestieren heftig, Experten äußern demokratiepolitische Bedenken. Die Abschaffung der begünstigten Tarife würde vielen Medien die wirtschaftliche Basis entziehen.

 

10. November 2000: "Verbalien rüder, Attacken perfider"

Eine "Spannung zwischen Medien und Politik" konstatiert auch Max Dasch, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in der November-Ausgabe des "VÖZ-Journals". Seit jeher seien die Medien "Objekte der Begierde für Politiker aus allen Lagern", so Dasch. "In letzter Zeit sind aber die Verbalien rüder geworden und die Attacken perfider, das gibt Anlass zur Sorge."

 

23. November 2000: Funkhaus Tirol

Sechs Tiroler Privatradios entschließen sich zur Zusammenarbeit und Gründung eines Funkhauses. Es handelt sich dabei um den Regionalsender "Antenne Tirol" sowie um die fünf Lokalstationen "Arabella 105.1", "Welle 1 Innsbruck", "Arabella Oberland", "Arabella Außerfern" sowie die Project Medien GmbH im Tiroler Unterland. Die Privatradios wollen in den Bereichen Verkauf und Marketing, Verwaltung, Technik, Musik, aber auch in programmtechnischen Segmenten kooperieren.

 

24. November 2000: VfGH hebt Privatradiolizenzen auf

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hebt die Sendelizenzen von rund 30 Privatradios auf. Grund ist die bereits im Sommer des Jahres vom Höchstgericht festgestellte Verfassungswidrigkeit der Privatrundfunkbehörde.

 

24. November 2000: VÖZ zahlt in Versöhnungsfonds

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) beteiligt sich mit einem Betrag von zehn Millionen Schilling am Versöhnungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter des nationalsozialistischen Regimes. Es sei dies ein "freiwilliger und bewusster Solidaritätsbeitrag des Verbandes", heißt es. Der Beschluss zu diesem Solidaritätsakt sei "im Interesse Österreichs" gefallen - "ungeachtet der Tatsache, dass einerseits zahlreiche Mitgliedszeitungen des Verbandes unter der Naziherrschaft in Österreich selbst Opfer des Regimes waren, weil die Träger der Verlage selbst enteignet und verfolgt worden sind, und andererseits die meisten Zeitungs- und Magazintitel überhaupt erst nach 1945 gegründet wurden". Die Mittel werden aus den Reserven des VÖZ bereitgestellt; betragsmäßig steuert der VÖZ freiwillig jene Summe bei, wie sie auch vom ORF geleistet wird.

 

30. November 2000: Keine Papierknappheit

Während in einigen europäischen Ländern ein Mangel an Zeitungspapier befürchtet wird, sieht man beim VÖZ keine Gefahr, dass die heimischen Zeitungen demnächst über zuwenig Papier verfügen könnten. Allerdings rechnet man mit Preiserhöhungen "im zweistelligen Bereich". In Österreich schließt eine Interessensgemeinschaft innerhalb des VÖZ jährlich Rahmenabkommen mit der Steyrermühl sowie Bruck/Norske Skog, den beiden heimischen Zeitungspapierlieferanten, ab; die konkreten Vereinbarungen werden von den Verlagen mit den Papierlieferanten getroffen.

 

1. Dezember 2000: Radda & Dressler bündelt

Die Verleger Radda & Dressler (R&D) bringen ihre Medien in die ET Multimedia AG (ETM) ein. Damit wird die ET Multimedia AG mit mehr als ATS 500 Mill. (36,3 Mill. Euro) Umsatz zur zweitgrößten Magazingruppe und zum siebentgrößten Verlagsunternehmen Österreichs. Betroffen sind die R&D-Anteile am "WirtschaftsBlatt" sowie die R&D-Titel "Option", "New Business", "Immobilienmagazin", "Diva", "Wiener", "Wohnen", "City" sowie weitere Special-Interest-Magazine.

 

4. Dezember 2000: ÖAK neu

Nach einem umfassenden Reformprozess ist die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) erstmals nach den neuen Richtlinien durchgeführt worden. Vor allem die Kategorie der "Verkauften Auflage" ist dabei einer Neudefinition unterzogen worden. Zum ersten Mal haben auch "Kurier" und "Kronen Zeitung" an der ÖAK teilgenommen. Die "Kronen Zeitung" kommt demnach im Wochenschnitt (Montag bis Samstag) auf eine Verkaufsauflage von 874.442 Exemplaren, der "Kurier" hält bei 186.502 verkauften Stück. Die "Kleine Zeitung" verzeichnete eine Verkaufsauflage von 247.806, bei den "Oberösterreichischen Nachrichten" beträgt der Wert 102.243. Die "Tiroler Tageszeitung" setzte durchschnittlich 88.252 Stück ab. "Die Presse" kam im 3. Quartal 2000 auf eine verkaufte Auflage von 76.216 Exemplaren, die "Salzburger Nachrichten" kamen auf 74.016. Die "Vorarlberger Nachrichten" verkauften 66.395 Stück, der "Standard" 63.671 Stück. Das "WirtschaftsBlatt" erzielte eine Verkaufsauflage von 30.053. Die "Salzburger Volkszeitung" hält bei 10.385 verkauften Exemplaren, die "Neue Vorarlberger Tageszeitung" bei 7.426 Stück.

 

4. Dezember 2000: NÖ Pressehaus erweitert Geschäftsführung

Der Chefredakteur und Verlagsleiter der "Niederösterreichischen Nachrichten" ("NÖN"), Harald Knabl (41), wird neben Herbert Binder zum zweiten Geschäftsführer des NÖ Pressehauses bestellt. In Binders Zuständigkeitsbereich fällt demnach der Bereich Druckerei und Buchverlag, Knabl wird sich um den Zeitungsverlag "und diesem nahestehende Beteiligungen" kümmern. Prokurist Alfred Resch wurde zum Finanzdirektor des Hauses berufen. Die Aufstockung der Chefetage steht im Zusammenhang mit der Genehmigung des Kartellgerichts für die Eingliederung der Zeitungen der "NÖ Rundschau" in den Zeitungsverlag der NÖ Pressehaus Druck- und VerlagsgesmbH. Damit erscheinen der "Schwarzataler Bezirksbote", die "Wiener Neustädter Nachrichten", die "Badener Rundschau", die Gratiszeitung "Unser St. Pölten" sowie einige andere Titel der "NÖ Rundschau" im NÖ Pressehaus.

 

6. Dezember 2000: VÖZ für starke Medienbehörde

Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zieht anlässlich seiner 48. Generalversammlung eine durchwegs positive Bilanz für das Jahr 2000. VÖZ-Präsident Max Dasch betont die Notwendigkeit einer "funktionierenden" Medienbehörde. Als "sicher die weitreichendste medienpolitische Weichenstellung" für das Jahr 2001 bezeichnet Dasch die geplante Novelle zum ORF-Gesetz sowie die Einführung von Privatfernsehen in Österreich. "Wir brauchen vernünftige Gesetze, welche die Möglichkeiten und Realitäten eines kleinen Landes berücksichtigen, wir brauchen aber auch eine Institution, die dann dafür sorgt, dass man sie einhält."
Weiteres Thema auf der VÖZ-Agenda für 2001 ist die "avisierte, aber bis jetzt noch schubladisierte Reform der Presseförderung". Sie schwebe "wie ein Damoklesschwert" über einigen Medienhäusern und könne gemeinsam mit der Erhöhung des Posttarifs und steigenden Papierpreisen zu Veränderungen in der heimischen Zeitungslandschaft führen. "Wir haben in allen Gesprächen darauf hingewiesen, dass die Presseförderung Zerstörungspotenzial impliziert, wenn man sie nicht ausschließlich als das sieht, was sie sein soll, nämlich ein Instrumentarium zur Erhaltung von Vielfalt", so Dasch.

 

11. Dezember 2000: Zeitungen erhöhen Preise

Auf Grund gestiegener Papier- und Energiekosten sowie der Entwicklung bei den Postgebühren erhöhen mehrere Tageszeitungen ihre Verkaufspreise. Die Tageszeitungen "Kronen Zeitung" und "Kurier" verlangen um einen Schilling mehr und kosten nun an Werktagen ATS 10. Im Abonnement sowie am Samstag und Sonntag im Einzelverkauf gibt es keine Änderungen. Der hohe Papierpreis treffe die "Krone" mit dreistelligen Millionenbeträgen pro Jahr, heißt es. In der Folge heben auch die "Kleine Zeitung" und der "Standard" ihre Preise an.

 

11. Dezember 2000: Letztmalige Förderung für steirische Medien

Die steirische Landesregierung beschließt eine "letztmalige Abschlagszahlung", mittels derer etwa ATS 46 Millionen für die steirischen Medien ausgeschüttet werden. Ab 2001 gibt es generell keine Presseförderung mehr.

 

14. Dezember 2000: Starkes Werbejahr 2000

Für Werber und Medien hat sich das Werbejahr 2000 zufriedenstellend entwickelt. Mit einem Wachstum von 9,4 Prozent konnte das Rekordergebnis von 1999 (plus 15 Prozent) jedoch nicht wiederholt werden. Rund ATS 28 Mrd. (2,03 Mrd. Euro) beträgt im Jahr 2000 der Gesamtwerbeaufwand für alle Werbeträgergruppen. Laut Berechnungen des Marktforschungsinstitutes Focus Marketing Research vereint der Printsektor mit 53,6 Prozent nach wie vor den Löwenanteil des Werbevolumens auf sich. Die größten Zuwachsraten konnten dabei die Magazine mit 17,7 Prozent (1999: 16,9 Prozent) sowie regionale Wochenzeitungen mit 6,6 Prozent (5,6 Prozent) verbuchen. Die Tageszeitungen halten ihren Anteil am Gesamtwerbeaufwand stabil bei 29,2 Prozent (29,3 Prozent). Der Werbeaufwand pro Kopf betrug ATS 3.458, der Anteil am BIP stieg auf 0,99 Prozent. Österreich nähert sich damit dem europäischen Vergleichsniveau an. Für 2001 wird eine Abkühlung erwartet. Focus prognostiziert einen Zuwachs von 3,4 Prozent.

 

Johannes Bruckenberger

Der Beitrag ist im Jahrbuch "PRESSE 2000" erschienen.