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ZEITUNGEN FÜR SCHWIERIGE ZEITEN GUT GEWAPPNET

Internationale Zeitungswoche: Positiver Ausblick trotz turbulenter Zeiten

(2011-10-17) Rund 10.000 Medien-Experten aus über 90 Ländern diskutierten vergangene Woche in Wien bei den drei Großveranstaltungen Ifra-Expo, Weltkongress der Zeitungen und World Editors Forum über Trends der Zeitungs- und Verlagsbranche. Nachfolgend die Highlights der Internationalen Zeitungswoche, die vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) in Kooperation mit dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) als lokalem Gastgeber veranstaltet wurde.

Prinz Michael von Liechtenstein, Präsident des Think-Tanks "European Center of Austrian Economics Foundation" ließ in seiner Rede im Rahmen des Weltkongresses der Zeitungen keinen Zweifel daran, dass "eine Reihe harter und unsicherer Jahre" auf uns zukommen: "Der Konsum in Industrieländern wird zurückgehen. Daher sollten Unternehmen eine dicke Brieftasche haben."

 

Dass die Zeitungen allerdings gut für schwierige Zeiten gewappnet sind, betonte VÖZ-Präsident Hans Gasser: "Die meisten haben ihre Hausaufgaben gemacht und gelernt, mit dem schwierigen Marktfeld umzugehen. Viele Medienhäuser sind gut unterwegs, auch in Österreich."

 

Eine international positive Perspektive für Zeitungen lässt sich auch aus Daten der WAN-IFRA, die auf einer Untersuchung von PricewaterhouseCoopers beruhen, ablesen: Demzufolge gibt es nach einem stetigen Rückgang der Auflagen in den kommenden drei bis vier Jahren wieder leichtes Wachstum von rund einem Prozent. Der rückläufige Markt in den USA wird dabei vor allem durch ein Plus in asiatischen und afrikanischen Schwellenländern aufgefangen.

 

Leser: Print vor Online

 

Printmedien können sich auf den internationalen Märkten gut behaupten, zeigt die Studie "World Press Trends", die im Rahmen des Weltkongresses der Zeitungen präsentiert wurde. Demnach erreichen Print-Nachrichten täglich 2,3 Milliarden Menschen, ein Fünftel mehr als das Internet mit 1,9 Milliarden. Die Entwicklung der Zeitungsauflagen stellt sich in den Ländern dabei sehr unterschiedlich dar: Während in Nordamerika mit einem Minus von 11 Prozent der stärkste Rückgang zu verzeichnen ist, stiegen die Auflagen im Asien-Pazifik-Raum von 2009 auf 2010 um 7 Prozent, in den letzten fünf Jahren um 16 Prozent. Bei den Gratiszeitungen ist im letzten Jahr ein starker Einbruch zu vermerken. Von 34 Millionen Stück im Jahr 2008 fiel ihre Verbreitung im Jahr 2010 auf nur noch 24 Millionen Stück. "Der Hype ist vorbei", kommentierte daher auch WAN-IFRA-CEO Christoph Riess bei der Präsentation.

 

Neue Geschäftsmodelle für Verlage

 

Über den Platz von Zeitungen in einer sich rasch ändernden Medienwelt diskutierte Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus mit Damian Kudriavtsev, CEO des Verlagshauses Kommersant in Russland. "Wir sind noch in der Steinzeit", sagt Eugen Russ in Hinblick auf Verdienstmöglichkeiten der Verlage im Internet. Er glaubt nicht daran, dass Online-Werbung der Weisheit letzter Schluss ist. Russ: "Wir müssen ein neues Businessmodell suchen und unsere Nachrichten verkaufen." Dass es sehr wohl auch im regionalen Bereich die Möglichkeit gebe, für Online-Inhalte Geld zu verlangen, betonte Schibsted-CEO Rolv Erik Ryssdal: Lokale Nachrichten könne man bepreisen, die User seien bereit, dafür zu bezahlen. Derzeit würden allerdings noch 95 % der Umsätze von Verlagen mit Printmedien gemacht.

 

Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin "Der Standard", betonte die Bedeutung von Qualität, um Print-Zeitungen fit für den Wettbewerb mit Onlinemedien und anderen Plattformen wie Tablets zu machen: "In turbulenten Zeiten brauchen immer mehr Menschen Orientierung", so Föderl-Schmid. "Der Standard" antwortet auf diese Herausforderung unter anderem mit Schwerpunktausgaben zu bestimmten Themen: "Meiner Erfahrung nach funktioniert dieses Modell nur im Printbereich. Man kann damit Aufmerksamkeit generieren und finanziell erfolgreich sein", so Föderl-Schmid.


iPad & Co: Hoffnung für Verlage?

 

Präsentiert wurde auch die Studie "Innovations in Newspapers", die sich unter anderem mit dem Einfluss von Tablet-Computern wie dem iPad auf die Verlagsbranche beschäftigt. Demnach würden Tablets interessante Potenziale für Verlage bieten. Allerdings müssen diese noch ausgeschöpft werden, denn "solange Zeitungen nur PDF-Versionen ihrer Printprodukte anbieten" seien Leser nicht bereit, dafür zu bezahlen, heißt es in der Studie.

 

Um die Gestaltung erfolgreicher Applikationen für Tablets ging es in der von Design-Guru Mario Garcia moderierten Diskussionsrunde, bei der unter anderem Peter Hossli von "The Collection" das weltweit erste monothematische Tablet-Magazin präsentierte. Garcia formulierte in seinem Einleitungsstatement Regeln für erfolgreiche Tablet-Apps. Unter anderem betonte er, dass es entscheidend sei, Content für "neugierige Finger" zu produzieren und Geschichten zu erzählen. Auch müsse bei der Gestaltung von Apps Rücksicht darauf genommen werden, dass iPad & Co Lean-Back-Devices sind und vor allem zu Hause am Abend genutzt würden.

 

Peter Kropsch, Geschäftsführer der Austria Presse Agentur, nahm in seinem Statement im Rahmen der Diskussionsrunde "Neue Technologien" Bezug auf die Aussagen Garcias zur Nutzung verschiedener Medienkanäle: Heute müsse man von einem "Medien-Quartett" ausgehen, Content werde heute über mobile Endgeräte, über Printmedien, Online am PC sowie am Tablet genutzt. Für diese verschiedenen Kanäle gelte es, Informationen nutzungsspezifisch aufzubereiten.

 

Auf die Herausforderung, Content rasch für eine zunehmend "mobilere" Welt zu produzieren, ging auch Christian Ortner, Chefredakteur der "Vorarlberger Nachrichten", in seinem Statement ein: Das zehnköpfige Online-Redaktionsteam umfasse auch vier "mobile Journalisten", die dafür zuständig seien, Geschichten zu recherchieren, die man sofort vor Ort produzieren und veröffentlichen könne.

 

Junge Leser gewinnen

 

Dass Innovationen von Verlagshäusern wichtig sind, vor allem um jüngere Leserschichten anzusprechen, betonte WAN-IFRA-Präsident Jacob Mathew. "Wir müssen es schaffen, Begeisterung für die Zeitung bei den Jungen zu wecken", so Mathew.

 

In diesem Sinn wurde auch heuer wieder der "Young Readers Prize" vergeben. In der Kategorie "Editorial" wurde die Kinderzeitung der "Kleinen Zeitung" ausgezeichnet. Die Jury lobte Design und Inhalt. Aber auch das Geschäftsmodell wurde positiv hervorgehoben: Die "Kinderzeitung" ist eine eigenständige Publikation für Sechs- bis Elfjährige, die zwischen 4,90 und 6,90 Euro kostet. Zuletzt wurden an die 18.000 Exemplare verkauft, davon 10.000 Abos. Der Break-Even wurde bereits zwei Monate nach dem Start erreicht.

 

Dass sich gerade junge Leser eine unabhängige Meinung bilden sollten, betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Rahmen ihrer Eröffnungsrede zum Weltkongress der Zeitungen: "Die jungen Leute sollen ihre Eltern kritisch fragen: Warum haben wir keine Zeitung im Haus?" Denn nur der Konsum mehrerer Medien sichere die Möglichkeit, sich eine kritische und unabhängige Meinung bilden zu können, und das sei unabdingbar für eine funktionierende Demokratie, so Prammer.

 

"Goldene Feder der Freiheit" an Dawit Isaak

 

Einen der Höhepunkte der Internationalen Zeitungswoche in Wien bildete die Verleihung der "Goldenen Feder der Freiheit" an den vor 10 Jahren inhaftierten schwedisch-eritreischen Journalisten Dawit Isaak im Rahmen der feierlichen Eröffnungszeremonie. Erik Bjerager, Präsident des World Editors Forum, der die Auszeichnung stellvertretend an Esaias Isaak, den Bruder von Dawit Isaak, übergab, unterstrich die Notwendigkeit einer freien Presse für die Demokratie. "Stille tötet die Demokratie, doch die freie Presse spricht. Journalisten müssen lernen zu reden. Das World Editors Forum fördert die Pressefreiheit, indem es Unterstützung anbietet und für Wissenstransfer sorgt, damit Journalisten und Medien ihre Stimme erheben können", so Bjerager.

 

Der aktuelle Report zur Pressefreiheit (World Press Freedom Review), der ebenfalls im Rahmen des Weltkongresses der Zeitungen präsentiert wurde, zeigt, dass Medien weltweit noch immer Zielscheibe totalitärer Regimes sind. Seit Jahresbeginn wurden bereits 44 Journalisten getötet. Zu den gefährlichsten Ländern zählen dem Report zufolge Pakistan und Mexiko.

 

World Newspaper Congress 2012 in der Ukraine

 

Der nächste Weltkongress der Zeitungen findet vom 2. bis 5. September 2012 in Kiew in der Ukraine statt.

 

Informationen zum Weltkongress der Zeitungen und zum World Editors Forum:

 

Rückfragen:

Verband Österreichischer Zeitungen

Mag. Felicitas Moser

Geschäftsführerin Board Werbemarkt

felicitas.moser@voez.at

+43 664 33 29 418



VÖZ-Präsident Hans Gasser: "Das Programm dieser Tage steht im Zeichen der Innovationskraft, des Elans und der Energie, mit der sich unsere Branche den Herausforderungen stellt." (Fotos: Philip Martin Rusch/WAN-IFRA)
VÖZ-Präsident Hans Gasser: "Das Programm dieser Tage steht im Zeichen der Innovationskraft, des Elans und der Energie, mit der sich unsere Branche den Herausforderungen stellt." (Fotos: Philip Martin Rusch/WAN-IFRA)
Feierliche Eröffnung des Weltzeitungskongresses v.l.n.r.: Hans Gasser/Präsident VÖZ, Erik Bjerager/Präsident World Editors Forum, Barbara Prammer/I. Präsidentin des Nationalrates, Jacob Mathew/Präsident WAN-IFRA, Esaias Isaak/Bruder des Preisträgers der "Golden Pen of Freedom" Dawit Isaak (Foto: Philip Martin Rusch/WAN-IFRA)
Feierliche Eröffnung des Weltzeitungskongresses v.l.n.r.: Hans Gasser/Präsident VÖZ, Erik Bjerager/Präsident World Editors Forum, Barbara Prammer/I. Präsidentin des Nationalrates, Jacob Mathew/Präsident WAN-IFRA, Esaias Isaak/Bruder des Preisträgers der "Golden Pen of Freedom" Dawit Isaak (Foto: Philip Martin Rusch/WAN-IFRA)

Esaias Isaak nahm den Pressefreiheitspreis stellvertretend für seinen Bruder unter Tränen entgegen.Die Grazer Pop-Rock-Gruppe Opus begeisterte das internationale Publikum.