Hillebrand verwies auf die Ergebnisse einer Studie der Universität Leipzig zum Thema Zukunft des Journalismus, für die rund 4.000 Journalistinnen und Journalisten befragt wurden, mit dem Ergebnis, dass "Kritik und Kontrolle" in den Augen der Befragten an Bedeutung verlieren, hingegen der Aspekt "Lebenshilfe und Nutzwert" in Zukunft wesentlich wichtiger werde. Journalismus, setzte Hillebrand dagegen, dürfe keinesfalls "zu einem Teil der Unterhaltungsindustrie verkommen". Es brauche vielmehr "Journalisten, die 'Kritik und Kontrolle' als Auftrag verstehen."
"Creative thinking, creative reporting, good writing"
Sie wünsche sich "Journalisten, die ihre Arbeit gut machen, die gut recherchieren und das Material gut aufbereiten können, die Wichtiges von Unwichtigem trennen können und die fähig zur Selbstkritik sind", kurzum: "creative thinking, creative reporting, good writing".
Vier Punkte sind in diesem Zusammenhang ihrer Meinung nach für gute Journalisten in Zukunft wichtig:
- "Journalisten brauchen umfassende Kenntnisse der Technik". Sie müssen die Technik beherrschen, um nicht von der Technik beherrscht zu werden. Es gehe um einen angstfreien Umgang mit der Technik, um das Wissen das "Making-of", vor allem auch um die Erwartungen junger Menschen nicht zu verfehlen, "die wir mit unseren Geschichten interessieren wollen".
- "Journalisten brauchen ,frische Luft'". Sie müssen heraus aus der Redaktion, weg vom Arbeitsplatz, sie müssen auch einmal "offline" sein. Dafür direkt hin zu den Menschen, zu ihren Arbeitsplätzen und zu ihren Wohngegenden.
- "Journalisten brauchen Zeit." Denken, so Hillebrand, lasse sich nicht durch "Materialorganisation" ersetzten. Und es brauche Zeit um Recherchequellen, um die Qualität der Arbeit zu überprüfen, aber auch Zeit zur Textkritik, zum Gespräch mit Kollegen.
- Und nicht zuletzt: "Journalisten brauchen eine Meinung."
Schaffelhofer: Wie alles begann
Pointiert beleuchtete Walter Schaffelhofer - "an meinem am letzten regulären Arbeitstag im Verband Österreichischer Zeitungen" - als einer der "Gründerväter" die Vorgeschichte, die dann am 16. November 1978 zur Gründung des Kuratoriums für Journalistenausbildung durch den Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ), den Österreichischen Zeitschriften- und Fachmedien-Verband (ÖZV) und die Journalistengewerkschaft als Institution für die berufsbegleitende sowie praxisnahe Aus- und Weiterbildung aller Journalistinnen und Journalisten in Österreich führte.
"Man ist irgendwie hineingestolpert in diesen Beruf"
Anfang der Siebzigerjahre, so Schaffelhofer in der Rückblende, habe es keinerlei spezifischen Ausbildungsinstitutionen und auch keine Lehrredaktionen gegeben. Wer Journalistin oder Journalist werden wollte, "ist irgendwie hineingestolpert in diesen Beruf. Es gab keine systematische Auslese, aber man wurde von erfahrenen Redaktionskollegen und guten Chefredakteuren begleitet." Kurz gesagt: "Die Situation war absolut unbefriedigend."
Angestoßen von den damaligen "Sozialpartnerpräsidenten" Hanns Sassmann (VÖZ) und Günther Nenning (Journalistengewerkschaft/JG) verständigten sich VÖZ und JG sehr rasch darüber, "dass man auf diesem Sektor etwas tun muss". Dritter Partner im Bunde wurde das erst 1969 gegründete "Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie" an der Universität Salzburg unter Professor Günter Kieslich, dem 1973 Michael Schmolke nachfolgte, durch dessen Engagement war es möglich, Heinz Pürer für die Sache zu gewinnen.
"Eine echte Pionierleistung"
Was folgte, war "eine echte Pionierleistung", betonte Schaffelhofer, der von Pürer wegen seines Engagements für die Sache als "KfJ-Patron" bezeichnet wird. "Step by Step" wurde - "pragmatisch und ohne großen Überbau, zuerst sogar als 'Wanderzirkus'" - eine Journalistenausbildung entwickelt. Die Philosophie dahinter: "Eine fundierte Grundausbildung - die Fortbildungsaktivitäten sind dann erst nach und nach dazugekommen - für schon im Beruf stehende Jungjournalisten." Dieser erste "Grundkurs für journalistische Ausbildung" - später ging daraus das "Österreichische Journalistenkolleg" hervor - fand vom 13. Jänner bis zum 1. Februar 1974 im Europahaus Wien statt. Schwerpunkte bildeten das journalistische "Handwerkzeug", praktische Übungen, "sehr viel Reflexion und Beurteilung der Arbeiten" sowie Ethik, Sprache und Redaktionsführung. Und den Höhepunkt des Grundkurses bildete ein "mit Bonmots gewürzter Abend mit Bundeskanzler Bruno Kreisky", der seinerseits die Begegnung mit den jungen Journalistinnen und Journalisten sichtbar genoss, erinnert sich Schaffelhofer.
Und er unterstrich die seiner Meinung nach wesentlichen Aspekte für den nachhaltigen Erfolg dieser Initiative, voran die gemeinschaftsbildende Atmosphäre bei den Kursen, das intensive Gespräch der Teilnehmer mit den Referenten, die "sehr strenge Auswahl" von Dozenten sowie die Tatsache, dass sich die Trägerverbände auch selbst eingebracht haben. "Der Start auf dieser informellen Basis war jedenfalls so gut", bilanzierte Schaffelhofer, "dass 1978 das Kuratorium formell als Verein gegründet wurde."
Prammer: Medien haben auch wichtige Bildungsfunktion
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, "Hausherrin" des zum Parlament gehörenden Palais Epstein, unterstrich die "wichtige Bildungsfunktion", welche die Medien zusätzlich zu ihrer Informationsaufgabe haben. Es gebe, was das Demokratiebewusstsein betreffe, blinde Flecken in der Bevölkerung. "Hier sind Politik und Medien gleichermaßen gefordert." Man müsse, so Prammer, das politische System transparent machen. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf Bemühungen des Parlaments, im Rahmen der "Demokratiewerkstatt" Kindern und Jugendlichen die Bedeutung von Demokratie und Parlamentarismus nahe zu bringen und ihnen einen bewussten Umgang mit Medien zu vermitteln, ein Projekt, das auch von den Mitgliedern des VÖZ unterstützt werde.



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