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PAKISTANISCHER JOURNALIST TROTZT UNERSCHROCKEN ANFEINDUNGEN UND DRUCK

"Goldene Feder der Freiheit" für Najaam Sethi

(2008-12-16) Najaam Sethi, Chefredakteur der "Friday Times" und der "Daily Times" in Pakistan, wurde vom Weltverband der Zeitungen (WAN) für die "Goldene Feder der Freiheit 2009" nominiert. Die Auszeichnung wird dem pakistanischen Journalisten im Rahmen des Weltkongresses der Zeitungen verliehen, der vom 22. bis zum 25. März 2009 in Hyderabad, Indien, stattfindet.

Sethi, dessen Zeitungen sich in einem Land, welches allzu oft durch religiösen Extremismus zerrissen wird, konsequent liberale und säkulare Ideen vertreten, wurde für seine außerordentliche Verdienste für Verteidigung und die Förderung der Pressefreiheit in Pakistan unter schwierigsten Umständen und ständiger persönlicher Gefährdung geehrt.

 

"Extremisten haben immer Pression ausgeübt, um ihre Kritiker zum Schweigen zu bringen - und das ist genau das, was jetzt wieder passiert", betont Najaam Sethi. "Dies ist ein Kampf, den zu verlieren sich weder die Presse noch das Land leisten kann."

 

Im Visier von Behörden und Fundamentalisten

 

Wegen redaktionellen Linie der Zeitungen, welche die unumschränkte, autokratische Staatsgewalt und den religiösen Fundamentalismus verurteilen, stand Sethi seit vielen Jahren im Gegensatz zu den pakistanischen Behörden und den religiösen Gruppierungen. Er wurde nicht nur von den Taliban und anderen radikal-muslimischen Gruppen mit dem Tode bedroht, Sethi wurde wegen seines Kampfes gegen die Korruption und seiner Kritik an der Regierung auch inhaftiert und geschlagen.

 

"Du kannst seine Leiche statt einem Haftbefehl haben"

 

Am 8. Mai 1999 wurde er beispielsweise wegen staatsgefährdender Aktivitäten willkürlich festgenommen und von der Polizei brutal geschlagen, weil er sich nicht gescheut hatte, in einer BBC-Dokumentation gegen den damaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif und die Korruption in der pakistanischen Regierung Stellung zu beziehen. Seine Ehefrau Jugnoo Mohsin, die ebenfalls Journalistin der "Friday Times" ist, berichtete als Augenzeugin, wie rund 20 in Zivil gekleidete und zwei uniformierte Polizisten in ihr Haus eindrangen: "Sie schlugen unsere Sicherheitsleute zusammen, drangen in das Schlafzimmer ein und zerrten Sethi heraus, ohne dass er seine Brille aufsetzen und seine Schuhe mitnehmen konnte ... Als ich sie nach dem Haftbefehl und ihrer Erlaubnis fragte, Privatgelände zu betreten, antwortete einer der Eindringlinge 'Du kannst seine Leiche statt einem Haftbefehl haben' ..." Sethi wurde dann erst am 2. Juni 1999 - nach einem internationalen Aufschrei - freigelassen, nachdem die Regierung erklärt hatte, die gegen ihn erhobenen Anklagen fallen zu lassen.

 

Auch heute stehen das Haus und das Büro des Journalisten unter ständiger Bewachung, nicht zuletzt deshalb, weil die Taliban drohten, ihn zu töten, wenn er nicht seine redaktionelle Linie ändere.

 

WAN: "Das ist Journalismus in seiner besten Tradition"

 

"Alle Journalisten sind sich der Gefahren bewusst, dass eine die Berichterstattung, welche im Gegensatz zur Weltsicht von Extremisten steht, gewalttätige Reaktionen nach sich ziehen kann. In einer Region, die voll von derartigen Gefahren ist, hat sich Najaam Sethi dafür entschieden, ihnen unerschrocken standzuhalten. Sein Engagement für die wahrheitsgemäße und unabhängige Berichterstattung in dieser Region, trotz großer persönlicher Gefahr und Opfern, ist Journalismus in seiner besten Tradition. Wir sind daher der Überzeugung, die Verleihung des Preises an Sethi wird andere dazu ermuntern, solchem Druck zu widerstehen", begründete der Weltverband bei seiner Sitzung in Beirut, Libanon, seine Entscheidung.

 

Pressefreiheit: An- und Übergriffe mehren sich weltweit

 

Weltweite An- und Übergriffe, denen Journalisten ausgesetzt sind, stellen ernste Gefahren für die Pressefreiheit dar. Solche Angriffe erfolgen vor allem durch Gruppen der organisierten Kriminalität in Lateinamerika, durch autokratische Regime im Nahen Osten, durch repressive Regierungen in Afrika und von Kombattanten in Kriegsgebieten. Der Weltverband konstatiert in seiner Halbjahresbilanz 2008 zur Pressefreiheit, die am 15. Dezember in Beirut präsentiert wurde, eine immer länger werdende Liste von Übergriffen hinsichtlich der Pressefreiheit und der Freiheit der Meinungsäußerung. Seit Juni wurden 39 Journalisten und Medienmitarbeiter getötet, womit sich die Zahl der Opfer auf bisher 68 im Jahr 2008 erhöht hat.

  • Journalisten, die in Lateinamerika über die organisierte Kriminalität und ihre Verbindungen zu öffentlichen Behörden berichten, sind nach wie vor Zielscheibe von Drohungen, Anschlägen und Morden. Durch mangelhafte Untersuchungen der Strafverfolgungsbehörden und der Justiz bleiben die Taten meist ungesühnt. Verbale Attacken politischer Führer gegen kritische Journalisten und Medien vervollständigen das für die Pressefreiheit feindselige Umfeld.

  • Mexiko, wo Journalisten zunehmend in das Visier von Drogenhändlern geraten sind, hat sich als eine der tödlichsten Regionen für Journalisten erwiesen: 23 wurden seit 2000 getötet, sieben sind allein seit 2005 spurlos verschwunden.

  • Eine Reihe von Rückschlägen im Bereich der Pressefreiheit musste im letzten Halbjahr im Nahen Osten und in Nordafrika verzeichnet werden. Vor allem autokratische Regime schrecken vor repressiven Maßnahmen gegen die unabhängige Presse nicht zurück. Blogger in der gesamten Region kämpfen weiterhin für die Verbreitung von Nachrichten und Informationen, die in den Mainstream-Medien ignoriert oder zensiert werden.

"Störung der öffentlichen Ordnung", "abweichende Meinungen"

  • Regierungen in Afrika gehen weiterhin mit Klagen wegen Verleumdung, Aufruhr und "Störung der öffentlichen Ordnung" gegen Opposition und unabhängige Medien vor, um sie einzuschüchtern. Berichte über Aufstände oder Kritik an der Führung eines Landes, seiner Verwaltung oder der Armee führen häufig zu Gefängnisstrafen für Journalisten. Trotz der Bemühungen von Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft ist die freie Meinungsäußerung in vielen Ländern stark eingeschränkt.

  • Die Freiheit der Presse ist nach wie vor in verschiedenen Teilen Europas und Zentralasiens infrage gestellt. Journalisten, die über Konfliktzonen, Kriegsverbrechen und organisierte Kriminalität berichten, erhalten Morddrohungen oder werden strafrechtlich verfolgt. Journalisten zollen auch der zunehmend brisanten politische Situation im Kaukasus einen hohen Tribut: Allein im August 2008 wurden dort vier Journalisten getötet.

  • Asien ist der Schauplatz zunehmenden Gewalt gegen Journalisten, wenn sie über Korruption, Konflikte oder einfach nur "abweichende Meinungen" berichten. Die Arbeit der unabhängigen Medien und der freie Fluss von Informationen unterliegt  massiven Einschränkungen.


Mit dem Tod bedroht, inhaftiert und geschlagen: Najaam Sethi.
Mit dem Tod bedroht, inhaftiert und geschlagen: Najaam Sethi.