Die zweite zentrale Herausforderung sieht Pirker im strategischen Bereich: "Zukunft der Medien heißt, dass alle Mediengattungen traditioneller Herkunft hin zu 'MMM' aufgestellt sein müssen, nämlich Multimedia, also mit einem Angebot der Inhalte in allen Darstellungsformen, Multichannel, also über alle Kanäle, und Multiplattform, also auf allen verfügbaren Plattformen."
Vor diesem Hintergrund ist der VÖZ-Präsident überzeugt: "Medien haben Zukunft - das ist eine klare Antwort. Und der Journalismus könnte sogar noch wichtiger werden als er heute ist."
Wirtschaftskrise quer durch alle Länder und Branchen
Wobei die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zu beschönigen sind. "Wir haben eine Wirtschaftskrise eines neuen und außerordentlichen Ausmaßes quer durch alle Länder und Branchen", sagte Pirker. Vergleichbares habe "keiner von uns jemals erlebt". Das bekämen natürlich auch die Medien bei den Werbespendings zu spüren, weil "die am schnellsten wirkende Kostenbremse" im Bereich der kommerziellen Kommunikation auch von sehr vielen Unternehmungen weltweit eingesetzt werde. Er glaube, "dass wir möglicherweise - auch gesellschaftlich - auf einen umfassenden Systemwechsel zusteuern", weil das gegenwärtige System "überdehnt" sei. "Wenn man überlegt, was Gesellschaften in entwickelten Ländern tatsächlich bewegt und was sie in ihren Wertesystem abbilden, dann gibt es da durchaus Potenzial zur Verbesserung", merkte Pirker an.
Situation in Österreich ist außergewöhnlich
Allerdings sei Österreich "ja traditionell immer ein kleines Stück anders, auch was die Medien betrifft". Die Situation in Österreich sei außergewöhnlich, "außergewöhnlich ist auch die starke und eigentlich immer stärker werdende Rolle der Printmedien in diesem Land", sagte der VÖZ-Präsident. Das sei nichts, "wofür man sich international schämen muss", er glaube im Gegenteil, "dass diese starke Rolle der Printmedien doch auch mit einem kulturellen Statement dieses Landes zu tun hat".
ORF für Österreich "zu groß geraten"
Zur aktuellen ORF-Diskussion merkte Pirker an, "dass der ORF - ein gutes Medienunternehmen mit vielen begabten und tüchtigen Leuten - für Österreich, für diese Marktgröße zu groß geraten ist". Diesem Problem müsse man sich grundsätzlich stellen. Würde der ORF beispielsweise jene 240 Millionen Euro bekommen, die von Bund und Ländern von den ORF-Gebühren kassiert werden, könnte ihm das zwar über die akuten Probleme hinweghelfen, "würde aber in fünf Jahren wieder zur Situation führen, wie sie jetzt ist". Und im Unterschied zu den Privaten ermögliche die Gebührenfinanzierung dem ORF in der gegenwärtigen Situation jedenfalls "eine krisenresistentere Gestion".



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