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PRÄSIDIENTREFFEN DER DEUTSCHSPRACHIGEN VERLEGERVERBÄNDE IN LINZ

Reding: "Die Zukunft der Medien ist bereits Gegenwart"

(2009-04-03) "Die Zukunft der Medien ist bereits Gegenwart". Die Medienlandschaft sei im Wandel begriffen und eine schnelle und effiziente Anpassung nötig, wobei gleichzeitig wichtige Grundwerte bewahrt werden müssen, betonte die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding in einer Videobotschaft an die Teilnehmer des Präsidientreffens der deutschsprachigen Verlegerverbände aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg und Österreich, welches am 2. und 3. April in Linz stattfand.

Medienvielfalt bildet den "Grundstein der Informationsfreiheit"

 

Die Medien müssen sich den technischen Neuerungen stellen. "Der Anpassungsbedarf an die Formatvielfalt und an die technischen Möglichkeiten wird immer größer. Wir brauchen ständig neue Ideen und Geschäftsmodelle, um die Presse im Wettbewerb zu stärken", unterstrich die EU-Kommissarin, selbst von 1978 bis1999 Journalistin beim "Luxemburger Wort" und langjährige Vorsitzende des Luxemburgischen Journalistenverbandes. Der von Joseph Schumpeter geprägte Begriff von der schöpferischen Zerstörung durch Wettbewerb scheine hier gültiger denn je. "Im Fall der Presse", so Reding, "ist die Anpassung wichtig, weil es ums Überleben geht. Die Medien, einschließlich der Presse, bilden das tragende Fundament der Kommunikation als Grundvoraussetzung der Demokratie. Medienvielfalt garantiert die Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und bildet den Grundstein der Informationsfreiheit. Diese sind der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft." Auch die Europäische Kommission unterstütze diese Werte und werde in diesem Kontext in wenigen Monaten eine große Studie über die Medienvielfalt und ihre Indikatoren präsentieren.

 

Klar gegen Werbeverbote

 

Gerade in Zeiten, in denen viele Medienunternehmen Probleme mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle haben und in denen Konsumenten immer weniger bereit sind, für Informationen zu bezahlen, seien Werbeeinnahmen für die Medien wesentlich. "Da das Werbeeinkommen die wichtigste Finanzierungsquelle für die Presse ist, liegt mir die Beibehaltung größtmöglicher Freiheit in der Werbebranche sehr am Herzen. In meiner Arbeit bemühe ich mich, gegen unbegründete Eingriffe in die Werbefreiheit zu kämpfen und somit die Nachhaltigkeit der Pressefinanzierung zu unterstützen", bekräftigte Reding ihre Position zum Thema.

 

Postliberalisierung: Hochwertigen Universaldienst sicherstellen

 

Die EU-Kommissarin ging in ihrer Botschaft auch auf die Postliberalisierung ein und betonte das Ziel der Gemeinschaftspolitik, den Binnenmarkt für Postdienste zu vollenden und damit im Rahmen der Lissabon-Agenda einen qualitativ hochwertigen Universaldienst sicherzustellen. Die dritte Postdienstrichtlinie soll bis Ende 2010 in die Praxis umgesetzt werden. Dazu bedürfe es einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommission, den Mitgliedsstaaten und allen beteiligten Kreisen, "wobei die Verleger eine besonders wichtige Rolle spielen".

 

Öffentlich-rechtlichen Mehrwert vorab prüfen

 

Zum Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk stellte Reding fest, dass ihn seine Präsenz im Internet potenziell in direkten Wettbewerb nicht nur mit den privaten Sendern, sondern auch mit den neuen Akteuren und den Zeitungen bringt. "Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ein Bewertungsverfahren einzuführen, um den öffentlich-rechtlichen Mehrwert der neuen Medienaktivitäten der Rundfunkanstalten festzustellen. Darin muss die Auswirkung auf den Markt ex ante untersucht werden", so Reding, "noch bevor ein neues öffentlich-rechtliches Angebot geschaffen wird."

 

Österreich bei Kauf-Tageszeitungen "Reichweiten-Primus"

 

Im Mittelpunkt des Präsidientreffens, bei dem die Verbandspräsidenten Helmut Heinen (BDZV), Hanspeter Lebrument (Verband Schweizer Presse) und Horst Pirker (VÖZ) abwechselnd den Vorsitz führten, stand neben dem Informations- und Erfahrungsaustausch zu Kernfragen der Branche ein Round Table zur wirtschaftlichen Situation auf den nationalen Zeitungsmärkten. Erfreuliches Detail dabei: Österreichs Kauf-Tageszeitungen sind im Vier-Länder Vergleich 2008 mit 72,9 Prozent "Reichweiten-Primus", gefolgt von Deutschland (72,4), der Schweiz (68,9) und Luxemburg (63,2). Ausführlich wurde auch über die Entwicklung des Werbemarktes vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rezession, die Entwicklung der Personalkosten, die Internet-Aktivitäten der Medienhäuser und die Erschließung neuer Geschäftsfelder sowie über gezielte Maßnahmen zur Bindung junger Leser diskutiert. Der luxemburger Delegation unter Präsident Alvin Sold (ALEJ) gehörte als Gast auch Alfred Küchenberg, Herausgeber und Verleger der deutschsprachigen Tageszeitung "Grenz-Echo" in Belgien, an.

 

Kunst & Kulinarik im Lentos

 

Den gesellschaftlichen Höhepunkt des Präsidientreffens in Linz bildete am 2. April eine abendliche Spezialführung der Teilnehmer durch die Ausstellung "Best of Austria" im Kunstmuseum Lentos mit ihren knapp hundert Spitzenwerken aus österreichischen Sammlungen. Danach luden das Land Oberösterreich, vertreten durch Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl, und die Moser Holding, deren Vorstands-Vositzender Hermann Petz auch der VÖZ-Delegation beim Präsidientreffen angehörte, zu einem festlichen Dinner im Lentos ein. Das Kunst & Kulinarik-Ambiente bot dabei eine einmalige Gelegenheit, bestehende Kontakte zu vertiefen und im Branchentalk über die anstehenden Herausforderungen grenzüberschreitend zu diskutieren.



EU-Kommissarin Viviane Reding betonte in ihrer Videobotschaft die Bedeutung der freien Presse als "tragendes Fundament der Kommunikation als Grundvoraussetzung der Demokratie". (Foto: fotolui.at)
EU-Kommissarin Viviane Reding betonte in ihrer Videobotschaft die Bedeutung der freien Presse als "tragendes Fundament der Kommunikation als Grundvoraussetzung der Demokratie". (Foto: fotolui.at)
ÖVP-Spitzenkandidat für die Europaparlamentswahl Ernst Strasser im Gespräch mit dem CEO der Moser Holding Hermann Petz.
ÖVP-Spitzenkandidat für die Europaparlamentswahl Ernst Strasser im Gespräch mit dem CEO der Moser Holding Hermann Petz.

v.l.n.r.: Oscar Bronner, Hans Heinrich Coninx mit Gattin Christine, Irene und Eugen A. Russv.l.n.r.: Thomas Kralinger, Hermann Petz, Thomas Winkler
ENPA-Präsident Valdo Lehari jr. und MEP Paul RübigDie Präsidenten der deuschsprachigen Verlegerverbände: Alvin Sold (Luxemburg), Valdo Lehari jr. (ENPA), Horst Pirker (VÖZ), Hanspeter Lebrument (Verband Schweizer Presse), Helmut Heinen (BDZV).