Zwar schlage das Internet die Zeitung in vielerlei Hinsicht, speziell in der Aktualität, aber er bezweifle, ob Analysen im Netz "mit der gleichen Aufmerksamkeit aufgenommen werden wie auf dem 'altmodischen' Papier". Denn das Internet hat gegenüber der Zeitung nicht nur Vorteile, es ist, so Bronner, auch umgekehrt: "Die Zeitung ist immer griffbereit - gleichgültig ob wie seit Jahrhunderten auf Papier gedruckt oder vielleicht einmal elektronisch auf einer Folie übermittelt. Die Zeitung trägt durch Entschleunigung zur Reflexion bei. Sie bietet ein vertrautes und - im Fall der Qualitätszeitung - ein vertrauenswürdiges Team von Journalisten, die einmal am Tag aus dem Überangebot an Informationen eine je nach Blatttyp für den Leser relevante Auswahl herausfiltert, einordnet und analysiert. Die Zeitung überrascht den Leser auch immer wieder mit unerwarteten Themen und erweitert so seinen Horizont."
"Extremster Einbruch, den die Branche je erlebt hat"
Die klassischen Medien müssten allerdings lernen, mit weniger Geld auszukommen, nicht nur temporär wegen der weltweiten Wirtschaftskrise. Diese habe "zum extremsten und schnellsten Einbruch bei den Werbegeldern geführt, den die Branche je erlebt hat", wobei sich dieser Einbruch für die Qualitätszeitungen im Gesamtergebnis, wie der "Standard"-Herausgeber unterstrich, "ärger auswirkt als bei den Massenblättern, da bei letzteren die höhere Auflage für höhere Vertriebseinnahmen sorgt".
"Trauen, die Zeitungen teurer zu machen"
Qualitätsjournalismus sei teuer und seine Finanzierung durch das zu Grunde liegende Geschäftsmodell nicht mehr im bisherigen Umfang gewährleistet. Sparen allein werde in dieser Situation nicht genügen, es gelte vielmehr auch die Einnahmen zu steigern. Bronner: "Die Verleger werden sich zum Beispiel trauen müssen, die Zeitungen teurer zu machen." Dazu kommen "Überlegungen, wie man im Internet auch die User dazu bekommen kann, für den Content zu bezahlen, den sie bisher kostenlos lesen konnten". Von den Erfolgen solcher Versuche werde es abhängen, "ob es gelingen wird, nachhaltig auch im Internet Qualitätsjournalismus zu produzieren, da die Einnahmen aus der Bannerwerbung trotz guter Zuwachsraten zumindest vorläufig so etwas kaum finanzieren können."
"Da wird in jeder Beziehung ein Feuerwerk losgehen"
Die Entwicklung im Internet werde progressiv weitergehen, resümierte Bronner. "Da wird in jeder Beziehung ein Feuerwerk losgehen - von den Mainstreammedien einerseits, aber auch von Newcomern, die wir heute noch gar nicht kennen." Die Zeitung werde es weiterhin geben, auch den Qualitätsjournalismus, allerdings werde der Markt durch eine enorme Fragmentierung anders aufgeteilt sein - verbunden mit dem Vorteil, "dass man sich aus verschiedenen Quellen informieren kann".
Petz: Qualität sichert "Lebensberechtigung"
Um einem Printmedium weiterhin Lebensberechtigung zu geben, muss auf allen Ebenen, also gerade auch im regionalen Bereich, Qualitätsjournalismus geboten werden. Das bedeutet für Hermann Petz, CEO der Moser Holding: "95 Prozent der Menschen verbringen 95 Prozent ihrer Zeit innerhalb von 25 Kilometern - also ist es neben allen anderen Informationen wichtig, dass auch vor Ort qualitativer, unabhängiger Journalismus offeriert wird. Eine Zeitung, die sich darauf besinnt, wird nicht in Bedrängnis kommen." Die Zeitung habe zusätzlich zu ihrer Agenda-Setting-Funktion auch eine breit gefächerte Dienstleistungsfunktion, die es ermöglicht, in kurzer Zeit maximale Information aufzunehmen.
Von einem Medienhaus müssen selbstverständlich beide Kanäle, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken, bedient werden. "Es wird ganz selbstverständlich sein, dass die Medienhäuser einen vollwertigen dynamische Kanal betreiben, der an sieben Tagen 24 Stunden hindurch aktuelle Information in allen Formaten bietet. Und sicher wird es nach wie vor mit ihren spezifischen Qualitäten und Funktionen die Zeitung geben," sagte Petz.



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