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WAN-IFRA-PRESSEFREIHEITSPREIS 2010 WÜRDIGT IRANISCHEN JOURNALISTEN

Goldene Feder für inhaftierten Ahmad Zeidabadi

(2010-01-20) Der iranische Journalist und Politikexperte Ahmad Zeidabadi, der unmittelbar nach der wegen Wahlbetrugs umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 inhaftiert wurde, wird mit der Goldenen Feder der Freiheit 2010 ausgezeichnet. Dieser Pressefreiheitspreis wird jährlich vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA) verliehen. Zeidabadi, 1965 geboren, ist nach Akbar Ganji (2006) der zweite iranische Journalist, der in den letzten Jahren mit dem WAN-IFRA-Preis ausgezeichnet wurde.

International bekannt wurde Zeidabadi bereits durch seinen offenen Brief, den er im Jahr 2000 aus dem Gefängnis schrieb, um gegen die Behandlung der inhaftierten Journalisten durch die Justiz zu protestieren; er warf den Richtern vor, "gegen die Kriterien und Regeln des Korans zu sein und zu verstoßen". Der Brief fand trotz der Versuche der Behörden, die Veröffentlichung zu unterbinden, weite Verbreitung.

 

Aufgrund seiner Arbeit wurde er im Vorjahr von der iranischen Obrigkeit erneut zu sechs Jahren Haft verurteilt und mit einem lebenslangen Berufsverbot als Journalist belegt.

 

Einsatz für Reformen und Rechtsstaatlichkeit im Iran

 

"Alle Journalisten sind sich der Gefahren bewusst, die man eingeht, wenn man das autokratische Regime von Präsident Mahmud Ahmadinedschad herausfordert und die Handlungsweise des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei in Frage stellt. Zeidabadi", so das WAN-IFRA-Board in der Begründung seiner Entscheidung, "hat sich wiederholt dazu entschlossen, ihnen die Stirn zu bieten und sich öffentlich für Reformen und Rechtsstaatlichkeit im Iran einzusetzen. Er wurde zu sechs Jahren Haft und weiteren fünf Jahren Verbannung in der iranischen Stadt Gonabad verurteilt und erhielt nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni ein lebenslanges Schreibverbot." Zeidabadi habe sich trotz der entsetzlichen Bedingungen, denen er ausgesetzt ist, geweigert, Zugeständnisse zu machen. "Seinem Mut zollen wir höchsten Respekt. Wir hoffen, dass das Urteil gegen Herrn Zeidabadi aufgehoben wird," betont der Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien.

 

Dem Teheraner Regime ein Dorn im Auge

 

Zeidabadi, der seit dem Jahr 2000 mehrmals inhaftiert wurde, war einer von Dutzenden von iranischen Journalisten, die in der Folge der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Vorjahr systematisch verhaftet und gefangen gehalten wurden. Er wurde im August zusammen mit mehr als 40 weiteren Journalisten und 100 bedeutenden Anhängern der Reformbewegung des Landes vor Gericht gestellt und angeklagt, mit einer "sanften Revolution" den Umsturz der klerikalen Theokratie geplant zu haben. Zeidabadi wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Mindestens 26 weitere Journalisten werden nach wie vor festgehalten, einige von ihnen müssen sich auf Haftstrafen zwischen fünf und neun Jahren einstellen.

 

Eine Woche nach Verhandlungsbeginn trat Zeidabadi aus Protest gegen seine Festnahme in Hungerstreik und kam, nachdem man ihn bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden hatte, 17 Tage lang in ein Krankenhaus.

 

Beiträge von Ahmad Zeidabadi, dem früheren Chefredakteur der Zeitung "Azad", sind in der Teheraner Tageszeitung "Hamshahari" erschienen, beim BBC Persian Service und auf der persisch/englischen Nachrichten-Website "Rooz". Er ist Mitglied des iranischen Journalistenverbandes und gewählter Präsident der Iranian Alumni Association, einer der größten Studentenorganisationen im Iran. Darüber hinaus ist er Hochschullehrer für Politologie und hat in zahlreichen akademischen Einrichtungen gelehrt, u.a. im Fachbereich Iranistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Teheran.

 

Bedrückende Erlebnisse im berüchtigten Evin-Gefängnis

 

Nach der erwähnten Gefangenschaft im Jahr 2000 wurde er im März 2001 gegen eine Kaution vorläufig freigelassen, um kaum ein Jahr später erneut inhaftiert zu werden. Er wurde daraufhin zu 23 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt und für fünf Jahre von der Teilhabe an "allen öffentlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten, einschließlich des Journalismus" ausgeschlossen. Nach seiner Freilassung 2004 geriet er während der Präsidentschaftswahl 2005 abermals in Konflikt mit der Regierung, als er zahlreiche Artikel veröffentlichte, in denen er zum Boykott der Wahl aufrief.

 

In einem Interview nach seiner Haft vor rund zehn Jahren beschrieb Zeidabadi die Bedingungen in dem berüchtigten Evin-Gefängnis wie folgt: "Die Verzweiflung, die im Gefängnis ausgelöst wird, ist so immens, dass man meint, es sei das Ende aller Tage. Kriminelle Häftlinge begehen Vergewaltigungen, insbesondere an Neuankömmlingen. Und wenn man mit verbundenen Augen herumgeführt wird, fürchterliche, angstvolle Schreie hört und dann in eine winzige Zelle gesperrt wird, hat man das Gefühl, dass einem die Rückkehr ins normale Leben für immer verwehrt ist."

 

Die Goldene Feder der Freiheit wird jährlich von WAN-IFRA verliehen, um den außergewöhnlichen Einsatz in Wort und Tat eines einzelnen Menschen, einer Gruppe oder Institution für die Pressefreiheit zu würdigen.



Ahmad Zeidabadi wurde zu sechs Jahren Haft und weiteren fünf Jahren Verbannung in der iranischen Stadt Gonabad verurteilt und erhielt ein lebenslanges Schreibverbot.
Ahmad Zeidabadi wurde zu sechs Jahren Haft und weiteren fünf Jahren Verbannung in der iranischen Stadt Gonabad verurteilt und erhielt ein lebenslanges Schreibverbot.